IS reklamiert Bluttat in Würzburg mit Video für sich

WÜRZBURG. Die Terrororganisation «Islamischer Staat» behauptet, der Angreifer, der am Montagabend bei Würzburg einen Regionalzug angegriffen hat, sei einer ihrer «Kämpfer». Das berichtet die IS-nahe Nachrichtenagentur Amak.

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WÜRZBURG. Die Terrororganisation «Islamischer Staat» behauptet, der Angreifer, der am Montagabend bei Würzburg einen Regionalzug angegriffen hat, sei einer ihrer «Kämpfer». Das berichtet die IS-nahe Nachrichtenagentur Amak. Der IS hat gestern zudem ein Video veröffentlicht, in dem der Zug-Angreifer zu sehen ist. «Ich bin ein Soldat des <Islamischen Staates> und beginne eine heilige Operation», sagte der junge Mann in dem Video. Das bayrische Innenministerium bestätigte die Echtheit des Videos am Dienstagabend. «Der Mann auf dem Video ist der Täter von Würzburg», sagte ein Sprecher von Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Der 17jähriger Afghane hatte fünf Menschen verletzt, zwei von ihnen schweben in Lebensgefahr. Er war mit einer Axt und einem Messer auf Fahrgäste losgegangen. Unter den Opfern sind vier Mitglieder einer Familie aus Hongkong. 14 Menschen erlitten einen Schock.

Zweifel an IS-Behauptung

Der Staatsschutz konzentriert sich darauf, den genauen Hintergrund der Tat aufzuklären. «Es gibt eine Zeugenaussage, dass der Täter einen islamischen Ausruf gemacht haben soll», sagte Bayerns Innenminister Herrmann. Dies sei zwar noch nicht erhärtet. Die Ermittler hätten aber später im Zimmer des Angreifers eine selbstgemalte IS-Flagge gefunden.

Der Terrorismusexperte Michael Götschenberg hatte zuvor im deutschen ARD-Fernsehen Skepsis gegenüber der IS-Botschaft geäussert. Es sei keineswegs sicher, ob der Afghane tatsächlich Bezüge zum IS gehabt habe. Denkbar ist, dass der IS die Tat, nachdem ihm der Täter das Video zuspielte, aus propagandistischen Motiven für sich reklamiert, um den Eindruck zu erwecken, er könne weltweit jederzeit Attentäter aktivieren.

Tötung des Täters untersuchen

Als der Zug nach der Attacke des Täters per Notbremse stoppte, sprang dieser aus dem Zug und flüchtete. Dabei soll laut Herrmann eine weitere Frau verletzt worden sein. Ein Spezialkommando der Polizei, das zufällig in der Nähe gewesen sei, habe dann die Verfolgung aufgenommen. Als der Jugendliche auch auf die Einsatzkräfte losgegangen sei, hätten diese das Feuer eröffnet und den 17-Jährigen erschossen.

Die bayrischen Ermittler sollen nun einerseits den Tathergang genau klären und auch, ob die Abgabe der tödlichen Schüsse auf den Fliehenden gerechtfertigt war. (dpa/wbr)