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IS-ANSCHLÄGE: Ägypten in der Abwärtsspirale

Die in Syrien und im Irak massiv unter Druck geratene Terrormiliz «Islamischer Staat» versucht sich am Nil auf Kosten der Kopten zu «profilieren».

In der syrischen Provinz Rakka und der Millionenstadt Mossul sind die Kämpfer des sogenannten «Islamischen Staats» in der Defensive. Schon in wenigen Monaten könnte das im August 2014 proklamierte «Kalifat» in Syrien und dem Irak Geschichte sein. Um für potenzielle Anhänger dennoch «attraktiv» zu bleiben, müssen die Dschihadisten «Erfolge» vorweisen. Nicht nur in Europa, wie etwa in Stockholm letzten Freitag, sondern vor allem in der islamischen Welt.

Bereits im Dezember des letzten Jahres waren bei einem IS-Anschlag in der St.-Markus-Kathedrale von Kairo 27 Kopten getötet worden. Zwei Monate später hatte der IS Ägyptens den Kopten sogar den Krieg erklärt. Die orthodoxen Christen der Nilrepublik seien fortan als «Ungläubige» zu betrachten, da sie sich abfällig über den Islam geäussert hätten und das Regime von Präsident Abdel Fattah al- Assisi stützten. Der Feldmarschall beschwor daraufhin die Einheit des Landes. «Egal ob Muslim oder Christ», verkündete er, «wir alle lehnen solche Verbrechen ab.» Den schönen Worten folgten freilich keine Taten. Mit den mörderischen Anschlägen vorgestern am Palmsonntag demonstrierte die islamistische Terrormiliz einmal mehr, dass die ägyptischen Sicherheitskräfte mit dem Schutz der christlichen Minderheit überfordert sind oder, wie koptische Aktivisten unterstellen, «kein wirkliches Interesse an unserer Sicherheit haben».

Zeugenaussagen von Kopten gelten kaum

Schenkt man dem koptischen Menschenrechtler Mina Thabet Glauben, geht es dem Regime nicht vorrangig um den Schutz der Christen, sondern um den Machterhalt. Al-Assisi benutze die Religion und seine guten Beziehungen zum koptischen Papst, «um die Menschen zu kontrollieren». Rechtlich der muslimischen Bevölkerungsmehrheit gleichgestellt sind die ägyptischen Christen auch unter al-Assisi nicht. Die meisten Kopten fühlen sich als Bürger zweiter oder dritter Klasse. Ihre Zeugenaussagen haben vor Gericht meist keine Bedeutung. Verbrechen an Kopten werden häufig gar nicht oder nur mit grosser Verzögerung aufgeklärt.

Ein grundlegender Wandel ist nach den Terroranschlägen vom Sonntag nicht zu erwarten. Mit der Verhängung des Ausnahmezustandes «zum Schutz des Landes», der gestern vom Parlament in Kairo gebilligt wurde, wird sich der hohe Druck auf die Bevölkerung noch verstärken. Das gilt auch für die zehn Millionen Kopten, die als «Entrechtete» bei verschärfter Repression meist die ersten Opfer von Polizeimassnahmen sind.

Aus der Sicht der IS-Dschihadisten ist die Verhängung des Ausnahmezustandes für zunächst drei Monate eine erfreuliche Nachricht. Die Terrororganisation hat ihre Basis auf der Sinai-Halbinsel, wo schon vor Jahren der Ausnahmezustand erklärt wurde. Neben der Polizei und der Armee setzte al-Assisi auch die Luftwaffe gegen die Terrormiliz ein, ohne damit die gewünschten Erfolge zu erzielen: Die brutale Repression, unter der auch Zehntausende von Unschuldigen zu leiden hatten und haben, erleichterte ganz offensichtlich die Rekrutierung von neuen Extremisten.

Pessimisten befürchten weitere Destabilisierung

«Beflügelt» durch den Zulauf, konnte der IS seine Aktivitäten von der Sinai-Halbinsel in die bevölkerungsreiche Nilebene zwischen Kairo und Alexandria verlagern. Die mörderischen Resultate sind bekannt. Ägypten befindet sich in einer verheerenden Abwärtsspirale, deren Ende nicht erkennbar ist. Pessimisten in Kairo befürchten, dass das Kalkül des IS, mit Terror einen ohnehin fragilen Polizeistaat zu destabilisieren und eine Gesellschaft zu spalten, aufgehen könnte.

Michael Wrase, Limassol

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