Irland fürchtet einen EU-Austritt der Briten

LONDON. Bei seinem Besuch in London heute Montag führt der irische Premierminister eine Reihe politischer Gespräche, nicht zuletzt über die Zukunft der britischen Provinz Nordirland. Den wichtigsten Termin aber hat Enda Kenny fürs Jahrestreffen des britischen Industrieverbandes CBI reserviert.

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LONDON. Bei seinem Besuch in London heute Montag führt der irische Premierminister eine Reihe politischer Gespräche, nicht zuletzt über die Zukunft der britischen Provinz Nordirland. Den wichtigsten Termin aber hat Enda Kenny fürs Jahrestreffen des britischen Industrieverbandes CBI reserviert. Dort wird sich der konservative Politiker für den Verbleib Grossbritanniens in der EU einsetzen.

Denn ein möglicher Austritt der Briten hätte für den viel kleineren Nachbarn im Westen katastrophale Folgen, wie eine neue Studie des Dubliner Instituts Esri belegt: erhebliche Handelseinbussen, höhere Energiepreise, geringere Investitionen aus Übersee.

Blatt hat sich gewendet

Die düsteren Vorhersagen treffen die grüne Insel an einer empfindlichen Stelle. Nach dem globalen Finanzcrash im Jahr 2008 mussten die 4,6 Millionen Iren empfindliche Einbussen ihres Lebensstandards hinnehmen, Hunderttausende emigrierten, die Arbeitslosigkeit erreichte mehr als 15 Prozent, die Regierung stand drei Jahre lang unter der Kuratel von Internationalem Währungsfonds IWF, der EU und der Europäischen Zentralbank EZB. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. Das irische Finanzministerium erwartet für dieses Jahr ein Wachstum von rund 4 Prozent.

Der wichtigste Handelspartner

Die wirtschaftliche Erholung Irlands liegt auch am robusten Wachstum auf der Nachbarinsel. Ein Brexit hingegen würde die britische Wirtschaft hart treffen und unmittelbare Auswirkungen auf Irland haben, prognostizieren die Wissenschafter des angesehenen Wirtschaftsinstituts Esri. Immerhin bleibt die frühere Kolonialmacht bei weitem Irlands wichtigster Handelspartner. Im schlimmsten Fall würde der anglo-irische Handel um ein Fünftel schrumpfen, glaubt Esri-Projektleiter Edgar Morgenroth: «Ein britischer EU-Austritt läuft Irlands Interessen zuwider.» (bo)