Irans Atomanlagen im Visier?

Spekulationen über israelischen Angriff: Medien berichten über den Aufbau einer «Nordfront» und über Kampfhelikopter auf einer saudischen Basis. Zweifel sind angebracht.

Michael Wrase
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limassol. Die Spekulationen über bevorstehende israelische Luftangriffe auf Nukleareinrichtungen in Iran reissen nicht ab: Vergangene Woche meldete die britische «Times» die Öffnung des saudischen Luftraumes für israelische Kampfflugzeuge sowie die Landung von Kampfhelikoptern auf dem ostsaudischen Stützpunkt Tabuk. Nun berichten arabische Medien ausführlich über den Aufbau einer «Nordfront».

Glaubt man den angeblich «gutinformierten Quellen» der «Gulf Daily News» in Bahrain, dann haben die Kaukasusrepubliken Georgien und Aserbaidschan der israelischen Luftwaffe Militärbasen zur Verfügung gestellt. Israel, wollen auch kuwaitische Blätter wissen, habe bereits vor Monaten um diese Stützpunkte gebeten, weil auf die Türkei als «Bündnispartner im Kampf gegen den Terrorismus» kein Verlass mehr sei.

Ahmadinejad warnt Israel

Die Berichte über den Aufbau einer «Nordfront», an dem auch US-Militäreinheiten beteiligt sein sollen, wurden in Iran mit Besorgnis zur Kenntnis genommen. Das Militär sei entschlossen, sämtliche «Abenteuer» der Landesfeinde zu durchkreuzen und habe seine Kräfte in Nordiran und am Kaspischen Meer verstärkt, zitierte der staatliche Sender Press TV einen hochrangigen General der Revolutionsgarden.

Zuvor hatte Staatspräsident Ahmadinejad Israel davor gewarnt, «sich mit dem iranischen Löwen anzulegen». Die Israeli sehnten sich zwar danach, Iran einen Schlag zu versetzen, doch sie trauten sich nicht einmal, daran zu denken, sagte er dem türkischen Sender ATV.

Zweifel sind angebracht

Nüchtern betrachtet sind die Berichte über den Aufbau einer gegen Iran gerichteten «Kaukasusfront» zumindest mit Fragezeichen zu versehen.

Zum einen erholt sich Georgien zurzeit von seiner verheerenden Niederlage gegen die russische Armee in Südossetien im August 2008. Erkennbare politische Gründe, eine gegen Iran gerichtete Militärallianz zu unterstützen, gibt es nicht. Zum andern dürfte das überwiegend von Schiiten bewohnte Aserbaidschan nach Erkenntnissen westlicher Militärexperten zwar bereit sein, US-Streitkräften Stützpunkte zur elektronischen Aufklärung in Iran zu überlassen.

Keinesfalls aber wird das Land offensive Militäraktionen gegen den Nachbarn zulassen, weil deren Folgen nicht absehbar seien.

Iran selbst hat mit den Ländern an der Nordgrenze geschickt paktiert. Einerseits hat Teheran Ende 2007 mit Armenien, dem Erzfeind Aserbaidschans, einen Vertrag unterzeichnet, in dem sich Iran verpflichtete, die armenische Armee im Konflikt um die Exklave Berg-Karabach logistisch zu unterstützen.

Anderseits garantiert Irans Regierung Aserbaidschan den Zugang zu seiner Exklave Nachitschewan, die wegen des Kriegs um Berg-Karabach nur über iranisches Territorium zu erreichen ist.

Eher auf direktem Weg

Der Aufbau einer «Kaukasusfront» gegen Iran erscheint vor diesem Hintergrund höchst unwahrscheinlich. Gleichwohl aber werden solche Spekulationen wegen des anhaltenden Streites um Irans Atomprogramm nicht abreissen.

Und sollte es dennoch zu einem israelischen Angriff auf Nuklearanlagen kommen, dürfte sich die Luftwaffe für den direkten Weg entscheiden. Dieser war bereits vor 28 Jahren, als die irakischen Atomanlagen von Saddam Hussein bombardiert und zerstört wurden, der erfolgreichste.