Iranischer General will Golanhöhen zurückerobern

DAMASKUS. Als Chef der Quds- Elite-Einheiten ist General Kassim Soleimani dafür verantwortlich, das iranische Regime gegen Bedrohungen von aussen abzusichern.

Michael Wrase
Drucken

DAMASKUS. Als Chef der Quds- Elite-Einheiten ist General Kassim Soleimani dafür verantwortlich, das iranische Regime gegen Bedrohungen von aussen abzusichern. Das gelang ihm in Irak, wo von ihm kommandierte Verbände mit Siegen über den Islamischen Staat (IS) ganz entscheidend zur Sicherung von Bagdad beitrugen. Seit zwei Jahren berät der iranische Stratege auch die syrische Armee, die mit Unterstützung der ebenfalls von Teheran aufgebauten schiitischen Hisbollah gegen die mit Al Qaida verbündete Nusra-Front kämpft. Nicht immer waren Präsident Bashar al-Assad Soldaten und Verbündete dabei erfolgreich. So konnten die Nusra-Jihadisten und andere islamistische Rebellen Teile von Südsyrien sowie den Südabhang der Golanhöhen in den letzten zehn Monaten fast vollständig erobern.

Gegenoffensive begonnen

Das strategisch bedeutende Hochplateau gilt als Einfallstor nach Damaskus. Noch bedrohlicher würde die Lage, wenn die von Jordanien aus versorgten Rebellen die syrische Hauptstadt in einer Art Zangenbewegung auch von Süden angreifen würden. Die syrische Armee musste daher handeln – und setzte dabei auf Kassim Soleiman.

Zu Wochenbeginn starteten die von ihm kommandierten Truppen etwa 40 Kilometer südlich von Damaskus eine Offensive, die selbst Rebellenkommandanten als «gewaltig» beschreiben. Nach übereinstimmenden Quellen gelang es der syrischen Armee und Kämpfern der Hisbollah, die Kontrolle über die Ortschaften Deir al-Adas, Deir Makir und al-Danaji sowie umliegende Hügel zurückzugewinnen. Das Gebiet verbindet das südliche Umland von Damaskus mit Daraa an der jordanischen Grenze und Kuneitra auf dem Golan.

Bis auf den Golan

Nächstes Ziel sind die strategisch wichtigen Hara-Höhen, auf denen sich vor der Eroberung durch die Jihadisten das sogenannte «Center C» befand, eine Abhörstation des russischen Geheimdienstes. Anschliessend sollen Soleimanis Truppen zur sogenannten Waffenstillstandslinie auf dem Golan vorrücken.

Dem Regime in Damaskus nahe Webseiten veröffentlichten am Mittwoch Bilder, die General Soleimani im Kreis syrischer Soldaten zeigen sollen. Landeskenner halten sie für authentisch. Auch westliche Diplomaten in Damaskus wollen bei der «gut vorbereiteten Offensive eine iranische Handschrift erkennen».

Israel beobachtet vorerst nur

In Israel wird die jüngste iranische Grossoffensive aufmerksam beobachtet, bislang aber nicht kommentiert. Das dürfte sich jedoch ändern, wenn Assads Soldaten und die Hisbollah weiter nach Osten vorrücken, also auf die Golanhöhen. Dort stehen noch die Kämpfer der Al-Qaida-nahen Nusra-Front, die Israel anscheinend für weniger gefährlich hält als die Hisbollah. Nach Beobachtungen von auf dem Golan stationierten UNO-Blauhelmen «interagieren» syrische Rebellen mit israelischen Soldaten: Diese bringen verletzte Aufständische in israelische Spitäler und helfen anderen in «taktischen Fragen». Dazu gehörten in der Vergangenheit auch Luftangriffe auf syrische Stellungen.

Mitte Januar hatte Israel den iranischen General Allahdadi und mehrere Hisbollah-Kommandanten unweit der Golanstadt Kuneitra getötet. Diese hatten die Grossoffensive der syrischen Armee mit vorbereitet, welche nun zu Wochenbeginn im Süden von Damaskus lanciert wurde.

Aktuelle Nachrichten