Iran befürchtet 3,5 Millionen Tote durch das Corona-Virus

Das Morgenland macht dicht: Zur Bekämpfung der Pandemie werden fast alle Flughäfen im Nahen und Mittleren Osten geschlossen. Schockierende Zahlen kommen aus Teheran.

Michael Wrase aus Limassol
Drucken
Teilen
Am Wochenende in Teheran: Männer in Schutzkleidung tragen den Leichnam der iranischen Politikerin Fatemeh Rahbar, die an den Folgen des Corona-Virus starb. Das Land wird von der Pandemie extrem hart getroffen.

Am Wochenende in Teheran: Männer in Schutzkleidung tragen den Leichnam der iranischen Politikerin Fatemeh Rahbar, die an den Folgen des Corona-Virus starb. Das Land wird von der Pandemie extrem hart getroffen.

Mehdi Khanlari / AP

Das hatte es zuletzt während des Sechs-Tage-Krieges von 1967 gegeben: Im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus wurden oder werden fast alle Flughäfen im Nahen und Mittleren Osten geschlossen. Nachdem sich in der letzten Woche bereits Saudi-Arabien und Kuwait von der Aussenwelt abgeschottet hatten, folgten am Dienstag und Mittwoch Beirut, Kairo, Damaskus und Bagdad. Erst Ende des Monats soll der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden.

Überdies hatten die libanesische und irakische Regierung landesweite Ausgangssperren verhängt, die von der Bevölkerung allerdings ignoriert wurde. Spaziergänger und Jogger waren bei Sonnenschein auf der Beiruter Corniche unterwegs. In die offiziell geschlossenen Shisha-Bars von Bagdad kamen die Besucher mit Mundschutz.

Der Libanon und der Irak befinden sich in einer schweren Wirtschaftskrise, die sich nach der vom Staat verordneten Schliessung von Geschäften, Restaurants und Cafés weiter verschärfen wird. In beiden Ländern wurden bisher rund 110 Infektionen mit Sars-CoV-2 registriert, jeweils drei Menschen starben.

Mehr als 16'000 Infizierte

Im iranischen Staatsfernsehen äusserste unterdessen ein Arzt die Befürchtung, dass bis zu 3,5 Millionen Menschen der Seuche zum Opfer fallen könnten, falls die Bevölkerung die mittlerweile strikten Massnahmen zur Eindämmung und Bekämpfung des Corona-Virus ignorieren sollte. Bei einer Befolgung der Vorschriften müsse mit 120'000 Infektionen und 20'000 Toten gerechnet werden, erklärte Afruz Eslami im Staatsfernsehen. Das iranische Gesundheitsministerium meldete am Dienstag 1178 Neuinfektionen. Die Gesamtzahl der Infizierten stieg damit auf 16.169, die der Toten um 135 auf 988.

Wie unvernünftig zumindest Teile der Bevölkerung im Iran weiterhin sind, zeigte sich gestern in Ghom nd Mashhad. Radikale Schiiten versuchten die letzte Woche geschlossenen religiösen Schreine in den beiden heiligen Stätten zu stürmen. Von den Heiligtümern aus, welche von den Gläubigen in der Regel innig geküsst werden, hatte sich das Corona-Virus nicht nur im Iran rasant verbreitet. Schiitische Pilger aus dem Libanon, Irak, Kuwait, Katar und Saudi-Arabien schleppten Covid-19 auch in ihre Heimatländer ein.

Mehr zum Thema
Analyse

Wie «Bibi» von Corona profitiert

Israels Noch-Regierungschef Benjamin Netanjahu hätte heute eigentlich vor Gericht erscheinen sollen. Doch dann erfasste die Corona-Krise auch Israel – und gab Netanjahu unverhofft eine neue Chance.
Judith Poppe aus Tel Aviv