IRAK: Wo Al-Baghdadis Terroristen Kulturgüter zerstörten

Der IS verliert weiter: Die irakische Armee erobert den Sitz der Regionalregierung von Mossul und das Ninive-Museum zurück.

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«Unsere nächste Kabinettssitzung findet in Mossul statt», frohlockte Haidar al-Abadi gestern bei einem Treffen mit Armeegenerälen. Es war der erste Besuch des irakischen Premierministers in Mossul seit der Besetzung der Millionenmetropole am Tigris durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vor knapp drei Jahren. Es dauerte ein Jahr, bis sich die vom IS gedemütigten Regierungsstreitkräfte vom Schock der Niederlage erholt hatten, und ein weiteres Jahr, bis die Vorbereitungen zur Rückeroberung abgeschlossen waren. Bereits im Januar konnte der Osten der durch den Tigris zweigeteilten Stadt befreit werden.

Auch der vor 18 Tagen begonnene Vormarsch im Westen von Mossul verläuft schneller als von den meisten Experten erwartet. Als einen der Gründe dafür nannte US-Luftwaffengeneral Mat­thew Isler die nahezu vollständige Zerstörung der IS-Kommando- und -Kontrollstrukturen. Die Terrormiliz sei inzwischen nicht mehr in der Lage, ihre von Selbstmordattentätern gelenkten «rollenden Höllenmaschinen» zum Einsatz zu bringen. Die Ausschaltung der effektivsten Terrorwaffe des IS erleichtere den Vormarsch der irakischen Regierungstruppen ganz erheblich, betonte General Isler, der von einem Stützpunkt im Süden von Mossul die Einsätze der US-Air-Force koordiniert.

Gestern gelang es irakischen Eliteeinheiten, die wichtigsten Regierungsgebäude von Mossul zu erstürmen. Die Rückeroberung der Verwaltungszentren für die Provinz Ninive ist auch ein bedeutender symbolischer Fortschritt. Gleiches gilt für das Ninive-Museum von Mossul, in dem IS-Terroristen vor fast genau zwei Jahren mit Vorschlaghämmern und Bohrmaschinen Statuen aus dem 9. Jahrhundert vor Christus komplett zertrümmerten. Die Zerstörung der Kunstschätze hatten die Dschihadisten auf Video aufgezeichnet und ins Internet gestellt.

Nach Informationen des Bagdader Staatsfernsehens standen die Regierungsstreitkräfte gestern nur noch 700 Meter von der Nuri-Moschee von Mossul entfernt. Im Juli 2014 hatte dort IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi der Welt zum ersten Mal sein Gesicht gezeigt. In einer halbstündigen Predigt bezeichnet sich der Terrorchef als «Anführer der Gläubigen» und «Kalif des Islamischen Staates», der einmal «von der nordafrikanischen Mittelmeerküste bis zum Persischen Golf» reichen sollte. Eine Woche zuvor hatte der IS auf syrischem und irakischem Territorium jenes «Kalifat» proklamiert.

Die bevorstehende Rückeroberung der Nuri-Moschee würde für den IS einen weiteren Tiefschlag bedeuten, von dem sich die Terrororganisation so bald nicht erholen dürfte. Ohne die Kontrolle über Millionenstädte wie Mossul verliert der IS weiter an Attraktivität. Nach Informationen der US-Geheimdienste sollen viele der ausländischen IS-Kämpfer die Stadt bereits verlassen haben oder ihre Flucht vorbereiten. Der IS habe in Mossul schon verloren und versuche jetzt, seine Niederlage noch zu verzögern, behauptete US-General Isler.

Michael Wrase, Limassol