Innenminister aus dem Amt gefegt

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Frankreich Wegen der Scheinbeschäftigung seiner Töchter musste Frankreichs Innenminister Bruno Le Roux binnen Stunden den Hut nehmen. Nach einer Medienenthüllung leitete die Pariser Finanzstaatsanwaltschaft gestern vorläufige Ermittlungen gegen Le Roux ein. Noch als sozialistischer Abgeordneter – und Fraktionschef – hatte er seine zwei Töchter als parlamentarische Assistentinnen beschäftigt. Sie erhielten dafür insgesamt 55 000 Euro, ohne dass Le Roux Arbeitsbelege vorweisen konnte. Eine der Töchter war erst 15 Jahre alt und erhielt in den Sommerferien Kurzzeitverträge. Die andere war zugleich in einem Berufspraktikum in Belgien eingeschrieben.

Am Nachmittag ging es blitzschnell. Le Roux wurde von Präsident François Hollande und Premierminister Bernard Cazeneuve vorgeladen. Drei Stunden später gab der einflussreiche Minister seinen Rücktritt bekannt. Er verteidigte sich indirekt gegen den Vorwurf, wie der Konservative Fillon gehandelt zu haben, der in einer ähnlichen Affäre unter Druck steht. Wenige Minuten später wurde Handelsstaats­sekretär Matthias Fekl zum neuen Innenminister ernannt.

Affäre Le Roux schadet François Fillon

Es wird angenommen, dass Staatschef Hollande seinen langjährigen Vertrauten auch deshalb so schnell opferte, um indirekt die Position Fillons zu schwächen. Die Sozialisten können nun auf ihre prompte Reaktion verweisen, während die Republikaner an ihrem von der Justiz verfolgten Kandidaten seit Wochen festhalten. Durch den Rücktritt des sozialistischen Innenministers steht Fillon noch schlechter da als bisher. In Umfragen kam er vor der TV-Debatte am Montagabend nur noch auf 17 Prozent Stimmen, während der Unabhängige Emmanuel Macron und Rechtsextremistin Marine Le Pen vom Front National mit 26 Prozent führen.

In der vielbeachteten TV-Debatte hatte sich Fillon aber eher gut geschlagen und mit einem besonnenen Auftritt gepunktet. Unter Druck geriet eher sein Widersacher Macron. Der 39-jährige Parteilose, der seinen ersten Wahlkampf bisher souverän überflogen hatte, musste erstmals kämpfen. Vor allem mit seiner Hauptrivalin Le Pen lieferte er sich immer wieder einen harten Schlagabtausch.

Journalisten schiessen sich auf Macron ein

Von dem allgemeinen Halali auf Macron profitierten vor allem Le Pen und Fillon. Die beiden Journalisten des grössten privaten Senders TF1 verschonten die beiden Rechtskandidaten erstaun­licherweise mit Fragen zu deren Affären und Schwachpunkten. Le Pen musste sich kaum zu dem von ihrer Partei geplanten EU- und Euro-Ausstieg äussern, Fillon auch nicht zu den Scheinjob-Affären seiner Frau Penelope und seiner Kinder.

Dass die Affäre des konservativen Spitzenkandidaten keineswegs ausgestanden ist, zeigte sich am Tag danach, als der ähnlich gelagerte Fall um Innenminister Le Roux in die Schlagzeilen kam. Es passt zu dem turbulenten Wahlkampf, dass das Malheur des Sozialisten letztlich dem Konservativen schadet. (brä)