Indonesien exekutiert ausländische Drogendealer

BANGKOK. Als Indonesiens Präsident Joko «Jokowi» Widodo vor knapp drei Monaten in der Hauptstadt Jakarta sein Amt antrat, jubelten viele Indonesier über den Mann, den sie als populistischen Erneuerer bewunderten.

Willi Germund
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BANGKOK. Als Indonesiens Präsident Joko «Jokowi» Widodo vor knapp drei Monaten in der Hauptstadt Jakarta sein Amt antrat, jubelten viele Indonesier über den Mann, den sie als populistischen Erneuerer bewunderten. In der Nacht von Samstag auf Sonntag bewies Jokowi nur ein Vierteljahr nach der Machtübernahme, dass er offenbar mehr ein Populist als ein Erneuerer ist. Er liess sechs wegen Drogenhandel verurteilte Todeskandidaten, darunter eine Indonesierin, von Erschiessungskommandos hinrichten.

Brasilien und die Niederlanden holten nach den nächtlichen Hinrichtungen ihre Botschafter heim, weil sich unter den Getöteten jeweils einer ihrer Staatsangehörigen befand.

Kaltblütig hatte Jokowi alle Gnadengesuche abgelehnt. Kaltlächelnd liess er alle Appelle von Menschenrechtsorganisationen, Politikern und Regierungen an sich abperlen. «Wir versuchen nur, unsere Nation vor der Drogengefahr zu schützen», rechtfertigte Generalstaatsanwalt Muhammed Prasetyo das wohl endgültige Ende eines vierjährigen Moratoriums auf die Todesstrafe in Indonesien. 2013 hatte Jakarta erstmals nach vier Jahren vier Extremisten erschiessen lassen, die 2002 an den Terroranschlägen in Bali beteiligt waren.

«Abschreckende Wirkung»

«Die Hinrichtung wird hoffentlich einen abschreckenden Effekt haben», erklärte der Staatsanwalt. Ein oberflächlicher Blick in alle weltweit verfügbaren Statistiken entlarvt den Wunsch des Anklägers in Jakarta zwar schnell als Trugschluss. Aber Jokowi, der alle Gnadengesuche bereits am 30. Dezember abgelehnt hatte, ist offenbar nicht nur ein Verfechter der Todesstrafe. Auf der Suche nach populärer Unterstützung scheint er bereit, über Leichen zu gehen.

Seine Beliebtheit litt, weil er während der vergangenen drei Monate Benzinsubventionen strich und dadurch Preise in die Höhe trieb. Er will auch einen unter Korruptionsverdacht stehenden Kandidaten zum Nationalen Polizeichef ernennen. «Jokowi benötigt nur 88 Tage, um seinen Ruf zu verspielen», titelte die Tageszeitung «Jakarta Post».

Zornige Präsidentin

Nun handelte Jokowi sich dank der Hinrichtungen Ärger mit der früheren Kolonialmacht Niederlande und Brasilien ein. «Es ist das erste Mal», beklagte in Brasilia eine zornige Präsidentin Dilma Rouseff, «dass ein Brasilianer im Ausland hingerichtet wurde. Die Beziehungen der beiden Länder sind betroffen.»

Die Polizei hatte im Jahr 2003 am Flughafen Jakarta 13,4 Kilogramm Heroin im Paraglider des Brasilianers Marco Archer Cardoso Moreira entdeckt. «Ich habe ein Fehler gemacht», gestand der Mann, der in der Nacht zum Sonntag im Alter von 53 Jahren im Kugelhagel eines zwölfköpfigen Erschiessungskommandos auf der Insel Nusa Kambangan starb, «aber jeder hat doch eine zweite Chance verdient.» Präsident Jokowi verweigerte ihm diese Möglichkeit ebenso wie dem aus Papua Neuguinea stammenden Niederländer Ang Kiem Soe. Ausserdem wurden eine Vietnamesin, ein Nigerianer und ein Mann aus Malawi getötet. In den Gefängnissen des südostasiatischen Staats warten rund 140 Todeskandidaten auf die Vollstreckung.