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INDIEN/PAKISTAN: Zwei Nationen, ein Trauma

Eine Gefahr für den Weltfrieden: Zwei Atommächte, die sich seit ihrer Unabhängigkeit bedrohen, finden keinen Weg aus dem Gründungskonflikt ihrer Staaten.
Walter Brehm
In Pakistan brannten am Unabhängigkeitstag indische Flaggen. (Bild: K.M. Chaudary/KEY (Lahore, 15. August 2017))

In Pakistan brannten am Unabhängigkeitstag indische Flaggen. (Bild: K.M. Chaudary/KEY (Lahore, 15. August 2017))

Walter Brehm

Die farbenprächtigen Feiern vom Wochenbeginn sind vorbei. Der indisch-pakistanische Alltag ist zurück und ist ein anderer, als die festliche Erinnerung an die Unabhängigkeit vor 70 Jahren einmal mehr suggerieren wollte. Das hat auch ein Zusammenstoss zwischen indischen und pakistanischen Soldaten in der umstrittenen Region Kaschmir wenige Tage vor dem grossen Fest einmal mehr gezeigt.

Am 8. August gab es im kaschmirischen Grenzgebiet zwischen beiden Staaten einen militärischen Zwischenfall mit fünf Toten. Indiens Armee meldete den Versuch eines Grenzübertritts pakistanischer Kämpfer in den indisch verwalteten Teil Kaschmirs. Seit Jahresbeginn sei es der 22. Vorfall dieser Art gewesen. Indien und Pakistan streiten seit 1947 um die Region Kaschmir. Dreimal haben die beiden Staaten Krieg gegen einander geführt.

Religion und Nationalismus bilden ein Pulverfass

Am 15. August 1947 hatten die beiden damaligen politischen Führer, der Inder Jawaharlal Nehru und der Pakistaner Mohammed Ali Jinnah, ihren Anhängern in nüchternen Radioansprachen versichert, dass sie trotz unterschiedlicher Religionen nur friedliche Absichten für die beiden Staaten hätten, die aus Britisch-Indien in die Unabhängigkeit entlassen würden. Hauptsache sei, dass die verhassten Kolonialherren verschwinden. Der Frieden zwischen Pakistan und Indien hielt aber nur zwei Monate. Schon im Oktober brach ein erster Krieg um die Kaschmirregion aus. Die regionale politische Führung war hinduistisch, die Bevölkerungsmehrheit dagegen muslimisch.

Gleichzeitig quälten sich damals Flüchtlingsmassen durch den Subkontinent. Indische Muslime zogen nach Pakistan, pakistanische Hindus nach Indien. Der historisch grösste Bevölkerungsaustausch, begleitet von Hassverbrechen beider Seiten, führte zu einem blutigen Chaos mit einer geschätzten Zahl von einer halben Million Toten und rund 12 Millionen Flüchtlingen.

Wer mit der falschen Religion in seiner angestammten Heimat blieb, wurde im besten Fall enteignet, oft aber verfolgt und getötet. Der so geschürte Hass ist den Nachfahren der Opfer beider Seiten heute noch so präsent wie damals.

Riskantes Patt, das bis heute anhält

Der erste Kaschmirkrieg endete nach über einem Jahr mit einem militärischen Patt. Der Disput über Kaschmir blieb ebenso ungelöst wie Dutzende andere Grenzstreitigkeiten zwischen Indien und Pakistan. Ähnlich wie in Afrika hatten die Kolonialherren schnell und ohne Rücksicht auf ethnische oder religiöse Begebenheiten die Grenzen mit dem Lineal gezogen.

1971 kam es für Pakistan zu einem weiteren Trauma. Die beiden pakistanischen Landesteile, durch 1500 Kilometer indisches Gebiet getrennt, teilten sich nach einem Bürgerkrieg. Mit Bangladesch entstand ein dritter Staat auf dem Territorium der ehemaligen britischen Kolonie.

Zwei weitere Kriege zwischen Indien und Pakistan um Kaschmir änderten nichts an ihrem Konflikt. Das von gegenseitigem Misstrauen geprägte Verhältnis bedroht heute mehr als den Frieden in der Region. Indien und Pakistan sind Atommächte. Während in Indien die gewaltfreie Tradition Mahatma Gandhis längst einem militanten Hindu-Nationalismus gewichen ist, tobt sich in Pakistan seit Jahren ein terroristischer Islamismus aus, den die Militärs des Landes eher instrumentalisieren denn bekämpfen.

Indien und Pakistan sind eine warnende Erinnerung an die Weltgemeinschaft, dass politisch ungelöste Konflikte aus der Vergangenheit die Zukunft bedrohen – auf dem Subkontinent, im Nahen Osten, in Korea und im Kongo. Nationalismus und Religionsstreit sind die grössten Gefahren für den Weltfrieden.

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