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Nach Anschlag: Indien will Vergeltung

Der jahrzehntelange Streit der beiden Atommächte Indien und Pakistan um die Region Kaschmir droht zu eskalieren. Auslöser ist ein blutiger Selbstmordanschlag.
Ulrike Putz, Singapur
Mit Kerzen und Postern trauerten Schülerinnen am vergangenen Donnerstag um die 40 indischen Soldaten, die beim Anschlag in Kaschmir ums Leben kamen. Bild: Raminder Pal Singh/EPA (Amritsar, 15. Februar 2019)

Mit Kerzen und Postern trauerten Schülerinnen am vergangenen Donnerstag um die 40 indischen Soldaten, die beim Anschlag in Kaschmir ums Leben kamen.
Bild: Raminder Pal Singh/EPA (Amritsar, 15. Februar 2019)

In Südasien tobt in diesen Tagen ein Krieg der Worte: Nachdem ein Selbstmordattentäter im indisch kontrollierten Teil der umstrittenen Bergregion Kaschmir mindestens 40 indische Soldaten mit sich in den Tod riss, hat Neu-Delhi Pakistan bezichtigt, für den Anschlag verantwortlich zu sein. Premierminister Narendra Modi warnte, «Terrororganisationen und deren Förderer» würden einen hohen Preis für den Anschlag zahlen. Indiens Antwort werde «kieferzertrümmernd» ausfallen, warnte Modi. Er werde den Sicherheitskräften freie Hand geben.

Der Attentäter hatte am vergangenen Donnerstag beim Ort Pulwama einen mit Sprengstoff beladenen Lieferwagen in einen Konvoi der indischen Armee gesteuert und gezündet. Es war der blutigste Anschlag in Kaschmir seit Jahrzehnten. Die von Pakistan aus operierende Terrorgruppe Jaish-e-Mohammad (JeM) bekannte sich zu der Tat. JeM-Anführer Maulana Masood Azhar lebt in Pakistan und dirigiert von dort aus seine Truppen. Islamabad hat dennoch jede Verantwortung für den Anschlag weit von sich gewiesen und war schnell mit Gegendrohungen bei der Hand. Premierminister Imran Khan sagte, falls Pakistan angegriffen werde, werde es «nicht nur über Vergeltung nachdenken, sondern Vergeltung üben». Sowohl Indien als auch Pakistan verfügen über Atomwaffen und haben bereits zweimal Krieg um Kaschmir geführt. Am Dienstag kam es im Zuge von Razzien in der verschneiten Umgebung des Anschlagsorts zu einem schweren Feuergefecht zwischen Militanten und der indischen Armee, vier Kämpfer und fünf indische Soldaten starben.

Konflikt aus der Kolonialzeit

Der Konflikt um Kaschmir geht bereits auf die Kolonialzeit zurück. Als die Briten 1947 abrückten, sollten Indien und Pakistan zur Heimat der Hindus beziehungsweise Muslime des Subkontinents werden. Die Einwohner des Gebiets im Vorderen Himalaja sind mehrheitlich Muslime, doch der Maharadscha entschied gegen den Willen seiner Untertanen, dass sich das für seine Wollproduktion berühmte Tal der indischen Union anschliessen sollte. Die Entscheidung löste einen zweijährigen Krieg aus, der mit der De-facto-Zweiteilung Kaschmirs endete. Seitdem kontrollieren beide Nachbarn je etwa eine Hälfte des Gebiets, beanspruchen es aber in vollem Umfang für sich.

Im indisch kontrollierten Teil kämpfen Bewaffnete seit Jahrzehnten dafür, sich entweder Pakistan anschliessen zu dürfen oder die Unabhängigkeit zu erlangen. Viele der in Kaschmir aktiven Rebellen- und Terror-Gruppen werden von Pakistan aus unterstützt oder gelenkt. Indien hat Hunderttausende Soldaten in Kaschmir stationiert, die die etwa vier Millionen Einwohner zum Teil brutal unterdrücken. Menschenrechtsverletzungen seitens der Sicherheitskräfte gegen die Zivilbevölkerung sind an der Tagesordnung. Seit 1989 hat der Konflikt etwa 70 000 Tote gefordert.

Druck auf Modi steigt

Die jetzige Eskalation hat ihre Wurzeln 2016, als der Tod eines prominenten Milizionärs Auslöser für Massenproteste und Strassenschlachten mit den Sicherheitskräften war. Dabei starben mehr als 30 Zivilisten, Hunderte Demonstranten erlitten durch das Eingreifen des Militärs zum Teil schwerste Verletzungen. Seitdem ist die Stimmung in Kaschmir wieder auf dem Siedepunkt. 2018 starben dort 500 Menschen einen gewaltsamen Tod. Der Zorn der Kaschmiri wurde weiter geschürt, als die Autonomie der Region im vergangenen Sommer weiter beschnitten wurde. Seitdem werden alle politischen Entscheidungen nicht mehr im Regionalparlament in Srinaga, sondern in Neu-Delhi getroffen.

Der Anschlag in Pulwama hat im Rest von Indien grosse Wut hervorgerufen. In mehreren Metropolen kam es zu antipakistanischen Demonstrationen, indische Medien berichteten von Mobs, die auf kaschmirische Studenten und Geschäftsleute losgegangen seien. Premierminister Modi könnte sich angesichts dieses Volkszorns und der im Mai anstehenden Wahlen gezwungen sehen, härter gegen Pakistan vorzugehen, als er das in der Vergangenheit getan hat, sagen Analysten. Vorerst hat Neu-Delhi jedoch nur angekündigt, höhere Zölle auf pakistanische Produkte einführen zu wollen. Ausserdem werde Indien alle diplomatischen Schritte tun, um Pakistan in der internationalen Gemeinschaft zu isolieren.

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