Indien sucht die Drahtzieher

Nach den Anschlägen von Bombay hatten die Sicherheitskräfte bis gestern abend fast alle Terroristen überwältigt. Indiens Regierung sagte, die Tat sei in Pakistan geplant worden.

Willi Germund
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Nach der Schreckenstat von Bombay: Indische Antiterror-Polizisten patrouillieren vor dem Taj-Mahal-Hotel. (Bild: rtr/Desmond Boylan)

Nach der Schreckenstat von Bombay: Indische Antiterror-Polizisten patrouillieren vor dem Taj-Mahal-Hotel. (Bild: rtr/Desmond Boylan)

Die Terroristen von Bombay hatten sich ungewöhnlich gut vorbereitet. «Sie hatten Satellitentelefone und haben sie während der Gefechte auch benutzt», sagte ein Vertreter der indischen Behörden. Noch wird ausgewertet, wen sie angerufen haben und wohin.

Doch eins ist klar: Sie unterhielten sich in Punjabi, der Sprache der Provinz an Pakistans Ostgrenze zu Indien. Es ist das bevölkerungsreichste Gebiet am Indus, und während der vergangenen Jahre haben die radikalislamischen Gruppen, die im Westen Pakistans an der Grenze zu Afghanistan im Umfeld von Taliban und Al Qaida operieren, zunehmend Kämpfer im Punjab rekrutiert.

Kontakte zu Al Qaida?

Mindestens ein gefangener Terrorist gestand zudem, er sei Mitglied von «Lashkar e Toiba». Die Untergrundgruppe wurde zunächst im indischen Teil Kaschmirs bekannt, wo sie mit Unterstützung des pakistanischen Militärs kämpfte. Ende der 1990er-Jahre knüpfte sie enge Kontakte zu Osama bin Ladens Al Qaida und gilt seit 2001 als pakistanischer Zweig des Terrornetzwerks. Es wurde nie geklärt, ob die Verbindungen zu Islamabads Geheimdienst abgebrochen wurden.

Bekannt wurde gestern, dass die Terroristen einen Fischkutter gekapert hatten und damit bis vor Bombays Küste geschifft waren. Dort liessen sie ihre Schlauchboote zu Wasser und gelangten in der Dunkelheit an die Küste.

Das «Mutterboot» wurde mittlerweile gefunden, der Kapitän lag mit aufgeschlitzter Kehle an Bord, mehrere Besatzungsmitglieder werden vermisst. «Es ist unmöglich, das Küstengebiet zwischen der pakistanischen Küstenstadt Karachi und Indien effektiv zu kontrollieren», sagte gestern ein pensionierter Offizier der indischen Marine, «wenn wir dort patrouilliert haben, erschienen jedesmal Hunderte von Booten auf unseren Radarschirmen.»

Die bisherigen Indizien sprechen also dafür, dass die Mörder von Bombay aus Pakistan kamen. «Wir haben Beweise, die wir noch nicht veröffentlichen können», sagte Indiens Aussenminister Pranab Mukherjee. Premierminister Manmohan Singh, der gestern Überlebende in einem Krankenhaus in Bombay besuchte, machte deutlich, dass ein weiteres Opfer der Terrorattacke die ohnehin delikaten Beziehungen Delhis zu Islamabad werden könnte. «Wir werden nicht hinnehmen, dass das Gebiet eines Nachbarlands für Angriffe auf uns genutzt wird.»

Kampf bisher erfolglos

Doch selbst wenn Pakistan zur Zusammenarbeit bereit ist, wird es schwierig sein, die Hintermänner des Terrors zu fassen. Denn Islamabad kämpft seit Monaten vergeblich darum, die Gebiete entlang der Grenze zu Afghanistan halbwegs unter Kontrolle zu bringen. Dort haben radikalislamische Gruppen das Sagen, dort versteckt sich Bin Laden, und nicht einmal die USA schaffen es seit 2001, ihn in der zerklüfteten Bergregion ausfindig zu machen.

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