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Indien kämpft mit einem ungewöhnlich heissen Sommer

Dürre, Hitzetote, Kampf um Wasserlieferungen: Auf dem Subkontinent leiden Millionen Menschen unter den Folgen extremen Wetters.
Ulrike Putz, Yokohama

Über 76 Tote, die Schulen geschlossen, die Krankenhäuser überfüllt mit Menschen, die einen Hitzschlag erlitten haben: Im ostindischen Gliedstaat Bihar hat die anhaltende Hitzewelle das normale Leben zum Erliegen gebracht. Am Sonntag erklärten die Behörden, die 100 Millionen Einwohner Bihar sollten nicht das Haus verlassen. Selbst nachts sinken die Temperaturen nicht unter 40 Grad, tagsüber klettern sie in die Nähe der 50-Grad-Marke.

Inder füllen ihre Kanister in Neu-Delhi mit frischem Trinkwasser. (Bild: Anushree Fadnavis/Reuters; 14. Juni 2019)

Inder füllen ihre Kanister in Neu-Delhi mit frischem Trinkwasser. (Bild: Anushree Fadnavis/Reuters; 14. Juni 2019)

Die aktuelle Hitzewelle hält seit drei Wochen an und ist eine der längsten seit Aufzeichnung der Wetterdaten. Im ganzen Land melden Städte Hitzetote. Vergangene Woche sind in einem Nachtzug in Uttar Pradesh vier ältere Männer in einem nicht klimatisierten Schlafwagen gestorben. Am Flughafen von Neu-Delhi wurden 48 Grad gemessen, ein historischer Rekord für die Hauptstadt. Im Wüstenstaat Rajasthan kletterte das Quecksilber gar auf über 50 Grad, was der Stadt Churu den zweifelhaften Ruhm einbrachte, der heisseste Ort des Planeten zu sein.

Warten auf den Monsun

Die Inder warten sehnlichst auf den Monsun. Die Regenfront zieht alljährlich in etwa 16 Wo­chen von der Südspitze Indiens bis zum Himalaja und bringt ergiebigen Niederschlag. Der Monsun ist von zentraler Wichtigkeit, um die Grundwasserreserven aufzufüllen. Doch die Regenzeit hat in diesem Jahr Verspätung: Der Monsun traf erst am 7. Juni in Kerala auf Land, eine Woche nach Plan. In den ersten zehn Tagen war der Niederschlag zudem nur halb so ergiebig wie im langjährigen Mittel. Die indische Halbinsel hat in den letzten zehn Jahren eine dramatische Veränderung der Niederschlagsmuster erlebt. Dürre, Überschwemmungen und plötzliche Stürme treten inzwischen mit erschreckender Häufigkeit auf.

Der Verlauf des Monsun wird von Experten wie dem indischen Fernsehpublikum dieses Jahr mit zusätzlicher Sorge verfolgt: ­Berichte darüber, wie weit die Regenfront vorgerückt ist, dominieren die Abendnachrichten. Etwa die Hälfte Indiens erlebt derzeit die schwerste Dürre seit sechs Jahrzehnten. Im Bundesstaat Maharashtra haben Tausende Bauern ihre Dörfer verlassen, weil die Brunnen ausgetrocknet sind. Wegen des rapiden Bevölkerungswachstums und der damit einhergehenden intensiven Wassernutzung ist der Grundwasserspiegel in weiten Teilen Indiens in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch gesunken. Wenn es mehrere Monate nicht regnet, verwandeln sich einst furchtbare Felder in eine Brachlandschaft. Zigtausende zurückgelassene Schafe und Ziegen sind verendet. In den Gliedstaaten Karnataka und Maharashtra ist es in 80 Prozent der Distrikte zu Missernten gekommen. Die Preise für Gemüse sind landesweit im Zuge der Dürre in den vergangenen Wochen bis zu 40 Prozent gestiegen.

Prügeleien um Wasser

Um den von der extremen Trockenheit Betroffenen zu helfen, sind landesweit Tanklaster unterwegs. Im Bundesstaat Maya Pradesh in Zentralindien werden die Lieferungen inzwischen von Polizei und Armee eskortiert. Zuvor war es bei der Wasserausgabe in mehreren Orten zu Schlägereien gekommen. Im Bundesstaat Jharkhand erstach ein Mann sechs Wartende, nachdem er daran gehindert worden war, zusätzliche Wasserfässer an einem Tank zu füllen, berichteten indische Medien. Am Freitag starb ein 33-jähriger Mann nach einem ähnlichen Konflikt im Bundesstaat Tamil Nadu. Teils wurden die Fahrer von Tanklastern angegriffen, weil sie auf Anweisung der Behörden ihr Wasser nutzten, um Strassen zu besprengen und so den Asphalt vor dem Schmelzen zu bewahren. In Städten wie Beed in Maharashtra gibt es trotz der Versorgung von aussen nicht genug sauberes Wasser zum Trinken.

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