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INDIEN: 70 Jahre Unabhängigkeit: Gandhi-Dynastie bröckelt

Morgen wäre Indira Gandhi 100 Jahre alt geworden. Ihre Kongresspartei ist so schwach wie nie.
Nick Kaiser und Sunrita Sen/dpa

Jahrzehntelang war der Name Gandhi mit der Macht in Indien verquickt. Die Familie an der Spitze der Kongresspartei hatte während eines Grossteils der inzwischen 70-jährigen Unabhängigkeit des Landes die Macht inne. Nun scheint sie davon so weit entfernt zu sein wie noch nie. Indiens erster Premier Jawaharlal Nehru war der Begründer der Dynastie. Der Name Gandhi kam durch die Ehe seiner Tochter Indira ins Spiel, die als bislang einzige Frau Premierministerin wurde. Morgen wäre sie 100 geworden.

Heute führen die Gandhis in Person von Indiras Schwiegertochter Sonia und deren 47-jährigem Sohn Rahul die Kongresspartei an. Bei der Parlamentswahl vor drei Jahren bekam die damalige Regierungspartei nur 44 von 543 Sitzen – weniger als je zuvor. Rahul Gandhis längst feststehende Ablösung seiner Mutter als Parteichef wird immer wieder verschoben, weil der Moment für die als verkrustet geltende, säkulare Mitte-links-Partei stets ungünstig erscheint.

Rahul fehle der Machthunger seiner Grossmutter, sagt der indische Journalist und Schriftsteller Nilanjan Mukhopadhyay. Die Wahlniederlage beendete Indira Gandhis elfjährige Amtszeit. Aber nur für kurze Zeit. Drei Jahre später war sie schon wieder Regierungschefin. Ein solcher Erfolg ­erscheint für ihren Enkel bei der nächsten Wahl in zwei Jahren aber nicht im Bereich des Möglichen. Einer kürzlich veröffentlichten Studie des US-amerikanischen Pew Research Center zu­folge wächst die Beliebtheit von Premierminister Narendra Modi: Erstaunliche 88 Prozent Zustimmung bekommt er demnach. Rahul Gandhi kommt immerhin auf 58 Prozent. Er hat allerdings bisher kaum Kapital etwa aus den wirtschaftspolitischen Kontroversen Modis schlagen können.

Gewalt gegen Muslime und sozial Schwache nimmt zu

Dessen Hindu-Nationalismus beunruhigt viele Inder. Mit dem Aufstieg von Modis Partei BJP hat die Gewalt gegen Muslime und Angehörige der niedrigsten Stufe des Kastensystems zugenommen.

Indira Gandhi wird als Architektin des aufstrebenden und modernen Indien mit einem Herzen für die Armen verehrt. Kritisiert wird sie als skrupellose Machtpolitikerin, die einen fast zweijährigen Ausnahmezustand verhängte und nutzte, um politische Gegner zu verfolgen und Medien zu zensieren. Der oft unentschlossen wirkende Rahul wird bislang kaum ernst genommen.

Trotz allem ist die Kongresspartei die einzige ernstzunehmende Oppositionspartei. Rahul sei zuletzt ein überzeugenderer Politiker geworden, findet Mukhopadhyay. Ungewiss bleibt trotzdem, ob Rahul Gandhi bei der Parlamentswahl 2019 eine Chance hat, Modi zu besiegen. Und ob er in der Lage ist, das Vermächtnis seiner Grossmutter fortzuführen. «Die Idee von Indien, für die Indira Gandhi gekämpft hat, wird von der wachsenden Intoleranz, die wir heute sehen, in Frage gestellt», sagte Rahul zum 33. Todestag seiner Grossmutter vor wenigen Wochen.

Nick Kaiser und Sunrita Sen/dpa

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