In seinem ersten Jahr als Präsident überwies Donald Trump nur gerade 750 Dollar an Einkommenssteuern

Die «New York Times» behauptet, basierend auf vertraulichen Dokumenten, dass Präsident Donald Trump in zehn der vergangenen 15 Jahren keine Einkommenssteuern bezahlte. Fünf Erkenntnisse aus dem 10'000 Worte zählenden Enthüllungsartikel.

Renzo Ruf aus Washington
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In einer ersten Reaktion sagte der Präsident am Sonntag, der Bericht der Times sei erstunken und erlogen.

In einer ersten Reaktion sagte der Präsident am Sonntag, der Bericht der Times sei erstunken und erlogen.

EPA/Chris Kleponis / POOL

Erstmals ist es der «New York Times» gelungen, Einblick in aktuelle Steuererklärungen von Präsident Donald Trump zu bekommen – Dokumente, die der Republikaner im Weissen Haus bisher sorgsam vor den neugierigen Augen der Öffentlichkeit verbarg. Aus dem Artikel wird nicht ersichtlich, wer der «Times» die Dokumente aus den Jahren 2000 bis 2017 zuspielte; aufmerksame Leser der Zeitung erinnern sich aber daran, dass die Trump-Nichte Mary Trump, aus Ärger über einen hässlichen Familienstreit, der Zeitung 2017 gewisse alte Steuererklärungen Trumps zugesteckt hatte. Hier sind fünf Erkenntnisse aus der Enthüllung der Zeitung.

1. Trump zahlte zu Beginn seiner Präsidentschaft keine Steuern

Im Jahr 2016 überwies Trump der bundesstaatlichen Steuerverwaltung Einkommenssteuern von 750 Dollar. 2017, als Trump als Präsident ein garantiertes Einkommen von 400'000 Dollar verdiente, waren es erneut 750 Dollar. Das sind, selbst für ein Niedrigsteuerland wie Amerika, lächerlich geringe Beträge. Möglich ist das nur, weil Trump an der Spitze eines Firmenkonglomerats steht, und weil das amerikanische Steuerrecht Verlustvorträge erlaubt. So schreibt die «Times», dass Trump allein in den Jahren 2008 und 2009, dem Höhepunkt der Finanzkrise, auf seinen Steuererklärungen ein Minus von 1,4 Milliarden Dollar ausgewiesen habe. Aus der Aufstellung der Zeitung ist im Übrigen nicht ersichtlich, wie viele Einkommenssteuern er im untersuchten Zeitraum von 2000 bis 2017 bezahlte. Die «Times» sagt einzig, der angebliche Multi-Milliardär Trump habe in elf der 18 untersuchten Steuerjahren dem Fiskus kein Geld überwiesen. (Weil es auf der Bundesebene in Amerika keine Vermögenssteuer gibt, schweigen sich die Steuerformulare über den Reichtum des Präsidenten aus.)

2. Trump steht tatsächlich im Visier einer Steuerverwaltung

Wurde der Präsident in den vergangenen Jahren gefragt, warum er seine Steuererklärung nicht offenlege, so wie dies seine Vorgänger seit Richard Nixon in den Siebzigerjahren machten, dann sagte er jeweils: Zuerst müsse er eine Steuerprüfung bestehen. Dies klang jeweils wie eine faule Ausrede. Die «Times» sagt nun aber: Die Steuerverwaltung Internal Revenue Service (IRS) untersuche tatsächlich immer noch eine Steuerrückerstattung über 72,9 Millionen Dollar, die Trump im Jahr 2010 geltend gemacht hatte. Die genauen Hintergründe dieses Streits liegen zwar im Dunkeln, die Zeitung spekuliert aber darüber, dass der IRS nicht mit einem Abschreiber einverstanden ist, die Trump auf seinem 2009 in Konkurs gegangenen Casino in Atlantic City (New Jersey) machte. Falls der Fiskus diesen Streit gewinnt, müsste Trump wohl mehr als 100 Millionen Dollar in die Staatskasse zurückzahlen.

3. Trump profitiert von Schlupflöchern im Steuerrecht

Bevor er 2016 zum Präsidenten gewählt wurde, war Trump Alleinbesitzer der Familienholding Trump Organization, einem Konglomerat von mehr als 500 Einzelfirmen. (Gemäss dem amerikanischen Steuerrecht können diese Firmen ihre Steuerzahlungen über die persönliche Steuererklärung von Donald Trump abrechnen.) Diese spezielle Konstellation ermöglichte es dem Präsidenten, eine Vielzahl seiner Kosten als Geschäftsausgaben zu deklarieren – und damit den steuerbaren Gewinn seiner Unternehmen zu verringern. Die 70'000 Dollar, die er für sein Haar-Styling ausgab? Geschäftsausgaben! Die 100'000 Dollar, die Tochter Ivanka für ihren Coiffeur und ihr Make-Up aufwenden musste? Geschäftskosten, war die älteste Tochter doch für die Trump Organization tätig. Auch überwies der Vater Beratungshonorare von fast 750'000 Dollar.

4. Trump ist kein besonders guter Geschäftsmann

Die «Times» behauptet, dass der Präsident in seiner zweiten Lebenshälfte einen guten Karriereschritt machte: 2004 willigte er ein, die Hauptrolle in der Reality-TV-Show «The Apprentice» zu übernehmen, in der er ein Milliardär spielte. Gegen 427 Millionen Dollar habe Trump dank der Serie verdient, die zu Beginn ihres langen Lebens gegen 28 Millionen Zuschauer fesselte, sagt die Zeitung. (Die Serie wurde eingestellt, als Trump ins Rennen um das Weisse Haus stieg.) Dieses Geld investierte Trump vornehmlich in Golfplätze, die sich zu Fässern ohne Boden entwickelten. So bezahlte Trump für das Luxus-Ressort Doral beim Flughafen von Miami (Florida) gegen 150 Millionen Dollar. Bis 2018 sollen sich die Verluste, die Trump auf seinen Steuererklärungen geltend machte, auf 162,3 Millionen Dollar belaufen haben. Die «Times» sagt deshalb: Trump habe sich 2015 nur deshalb zu einer Präsidentschaftskandidatur entschieden, weil er unbedingt den Umsatz habe ankurbeln wollen. Diese Behauptung ist nachvollziehbar. Die Zeitung weist zudem darauf hin, dass Trump stark verschuldet ist und in den nächsten vier Jahren bis zu 421 Millionen Dollar an Krediten zurückbezahlen müsse.

5. Trump sagt «Fake News» und verweist auf amtliche Dokumente

In einer ersten Reaktion sagte der Präsident am Sonntag, der Bericht der Times sei erstunken und erlogen. Und er verwies auf ein offizielles Formular seiner Regierung, das er jedes Jahr ausfüllen muss, und auf dem er seine persönliche Vermögenswerte offenlegt. Das Problem an diesem Formular? Trump muss nur Einnahmen deklarieren, aber keine Ausgaben. So weist er für das Golf-Ressort Doral Einkünfte von 77,2 Millionen Dollar aus; wie hoch aber der steuerbare Gewinn auf dem Betrieb, der immer noch dem Präsidenten gehört, ausgefallen ist, lässt sich aus dem Dokument nicht eruieren.

Ex-Wahlkampfmanager in Spitalpflege

Brad Parscale drohte damit, sich zu töten

Der ehemalige Wahlkampfmanager von Donald Trump, der grellbunte Brad Parscale, ist am Sonntag an seinem Wohnort in Fort Lauderdale (Florida) durch die Polizei in ein Spital eingeliefert worden. Die Gattin von Parscale habe am späten Nachmittag die Ordnungshüter darüber informiert, dass er Waffen besitze und damit gedroht habe, sich etwas zuleide zu tun. Parscale war im Juli von Trump entmachtet worden. Er diente dem Wahlkampfstab zuletzt als Berater. In mehreren Zeitungsartikeln wurde er seither beschuldigt, Wahlkampf-Spendengelder verschwendet zu haben. Auch wurde Parscale beschuldigt, sich auf Kosten von Kandidat Trump in Szene gesetzt zu haben. (rr)