In Paris steigen die Infektionszahlen rasant

Aufgrund der hohen Wohndichte sind die französischen Städte regelrechte Ansteckungsherde.

Stefan Brändle aus Paris
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Hat sich angesteckt: Fussballstar Kylian Mbappe

Hat sich angesteckt: Fussballstar Kylian Mbappe

Christophe Petit Tesson / EPA

Kylian Mbappe ist Frankreichs populärster Fussballstar – aber als er am Montag positiv getestet wurde, durfte er nach dem Training nicht einmal mehr die Dusche nehmen: Umgehend wurde der 21-Jährige in eine einwöchige Quarantäne abtransportiert. In seinem Klub Paris-Saint-Germain (PSG) sind sieben Spieler betroffen. Für einmal sind sie repräsentativ für die französische Gesamtbevölkerung. Vor allem junge, urbane und gesellige ­Bürger werden derzeit mit dem Covid-Virus angesteckt. Und zwar en masse: Nahezu 10 000 Neuinfektionen wurden in Frankreich allein am Donnerstag registriert – mehr als je während der ersten Welle im Frühjahr. Die Zahl der Todesfälle betrug am Donnerstag nur deren 19 – weil die Betroffenen jünger, das heisst widerstandsfähiger sind.

Doch warum sind Länder wie Frankreich, Spanien und Italien stärker betroffen als etwa Deutschland oder die Schweiz? Die Massnahmen der drei Regierungen sind nicht weniger strikt als im Süden, die Akzeptanz ist vergleichbar, wenn nicht besser. In der Provence, an der Côte d’Azur wie auch im Grossraum Paris ist die Schutzmaske zum Beispiel längst auch auf der Strasse obligatorisch.

Nicht die Strenge ist das Problem, sondern das Hin und Her der Behörden. In Frankreich war der Lockdown im Frühjahr so streng, dass gerade junge Südeuropäer die Sommerferien eifrig – und unvorsichtig – zur Kompensation benutzten, als die Beschränkungen fielen. Der PSG-Star Neymar steckte sich mutmasslich auf Ibiza an, wo er zuvor die Champions League-­Niederlage gegen Bayern München gefeiert hatte.

Dass auch Städte wie Paris und neu Bordeaux exponentielle Neuinfektionen registrieren, ist kein Zufall: In diesen Ballungszentren lebt man sowohl auf der Strasse wie auch in den kleinen Wohnungen viel näher beieinander als im Norden. Paris, wo sich auf einen Quadratkilometer 21000 Einwohner drängen, ist die westliche Stadt mit der höchsten Wohndichte.

Die französischen Testcenter sind überlastet

Viele französische Städter haben sich im Sommer aufs Land oder in den Süden «gerettet», wie sie selber sagen. Diese Reisebewegung war noch stärker als die üblichen Reiseströme aus dem ausländischen Norden. Frankreich testet seine Bevölkerung heute zwar intensiver als Deutschland: In einer Woche wurden eine Million Menschen getestet. Doch der Andrang auf die überforderten Testzentren ist jetzt so gross – oft wartet man stundenlang in langen Schlangen –, dass die Resultate oft erst nach einer Woche eintrudeln. Der angestrebte Warneffekt verpufft damit, die Neuinfektionen steigen weiter.

In südfranzösischen Orten werden bereits die Intensivbetten wieder rar; Altersheime schotten sich ab. Präsident Emmanuel Macron muss handeln, will aber um jeden Preis einen neuen Lockdown verhindern.