In manchem mit Obama vergleichbar

Der international bekannte amerikanische Neurochirurg Ben Carson geht für die Republikaner ins Rennen um das Präsidentenamt. Der politisch unerfahrene Arzt hat Obama wiederholt scharf attackiert, vor allem wegen dessen Gesundheitsreform.

Jens Schmitz
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Ben Carson Bewerber für US-Präsidentschaft (Bild: ap)

Ben Carson Bewerber für US-Präsidentschaft (Bild: ap)

WASHINGTON. Er ist schwarz, intelligent und wird von seinen Anhängern erwartet wie ein Heilsbringer: Mit dem international bekannten Neurochirurgen Ben Carson hat sich gestern ein Mann um die nächste US-Präsidentschaft beworben, der in vielem an Barack Obama erinnert. Jedoch will Carson von den Republikanern nominiert werden, und er hat in seinem Leben noch kein politisches Amt innegehabt. Letzteres könnte ihm durchaus zum Vorteil gereichen.

Zwillinge erfolgreich getrennt

Carson ist das, was die Amerikaner ein «Dark Horse» nennen – ein zunächst wenig beachteter Kandidat, der unter den richtigen Umständen grosses Potenzial entfalten könnte. Der aktuelle Präsident ist dafür das prominenteste Beispiel. Und Carsons Karriere zeigt verwandte Züge: Der 63-Jährige wurde von seiner Mutter allein grossgezogen, arbeitete sich aus ärmlichen Verhältnissen an Eliteschulen empor und wurde schliesslich einer von wenigen Vorzeige-Afroamerikanern, die nicht im Sport oder in der Unterhaltungsindustrie zu Ruhm gelangten, sondern aufgrund ihres Intellekts. 1987 trennte er als erster Chirurg Zwillinge, die am Kopf zusammengewachsen waren; beide überlebten. Über seine Erfolge als Arzt am renommierten Johns Hopkins Spital in Baltimore gibt es sogar einen Kinofilm. In den 1990er-Jahren gründete Carson eine Stiftung, die «akademische Exzellenz und menschliche Qualitäten» mit Stipendien belohnt. George W. Bush hat ihn mit der «Presidential Medal of Freedom» ausgezeichnet, der höchsten zivilen Auszeichnung im Land. Für viele Schwarze war Carson lange ein Vorbild.

Keine politische Erfahrung

Politisch erregte er erstmals 2013 Aufsehen, als er an einem Auftritt in Gegenwart von Obama dessen Politik scharf attackierte. Viele sahen darin den Beginn seiner politischen Ambitionen, zumal er wenig später seine Pensionierung als Arzt ankündigte. Seither hat er die Gesundheitsreform als «das Schlimmste, das diesem Land seit der Sklaverei widerfahren ist», bezeichnet und Obama mit einem Psychopathen verglichen. Der Angehörige der Siebenten-Tags-Adventisten hat sich gegen die Homo-Ehe ausgesprochen und erklärt, nicht an die Evolutionstheorie zu glauben.

Der konservative TV-Sender «Fox News» beschäftigte Carson zeitweise als Kommentator und baute ihn zu einer politischen Marke auf. Seine mangelnde Erfahrung wird er wohl in einen Vorteil umdeuten: Das Versprechen, als Aussenseiter im angeblich korrumpierten Washington aufzuräumen, hat im amerikanischen Wahlkampf Tradition. Gerade im konservativen Lager sind viele Wähler dafür empfänglich. Sein Programm wollte Carson gestern im Lauf des Tages in Detroit genauer erläutern. Er ist dort aufgewachsen, ehe er Abschlüsse der Universitäten Yale und Michigan erwarb. Er ist verheiratet und hat drei Söhne.

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