Kommentar

In Frankreich tobt ein Kulturkampf gegen die Islamisten

Schon wieder eine blutige Attacke in Frankreich innerhalb weniger Wochen. Frankreich ist schockiert, reagiert aber prompt und entschlossen.

Stefan Brändle, Paris
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Sind wir in Syrien gelandet?, fragen sich viele Franzosen entgeistert. Bei Paris wurde vor zwei Wochen ein Geschichtslehrer enthauptet. In Nizza hat jetzt ein anderer Terrorist zwei Kirchgängerinnen die Kehle durchschnitten. Eine der Frauen schaffte es noch auf die Strasse, wo sie verschied; der anderen trennte der Täter fast den Kopf ab, bevor er gefasst wurde. Man muss diese Horrorszenen leider schildern, um das Ausmass der Bedrohung für das Leben und die Lebensart Europas klarzumachen. Drahtzieher dieser Anschläge sind Islamisten, die einen Schwachpunkt des Westens ausnützen – seine Toleranz. Dorn im Auge sind ihnen, die provokativen Charlie-Hebdo-Karikaturen. Sie attackieren Kirchen, um die laizistische Republik Frankreichs in eine neue Religionsdebatte zu zwingen.

Frankreich ist schockiert, reagiert aber prompt und entschlossen. Präsident Macron schliesst islamistische Moscheen, Hilfswerke und Onlineportale. Man hat das Gefühl, dass durch die Nation der Résistance ein Ruck geht, dass sie nun bereit ist zum Kampf, genauer: zum Kulturkampf. «Wir können das nicht länger auf friedliche Weise lösen», sagt die Feministin Elisabeth Badinter zum Thema Islamismus. Es geht um den Schwimmunterricht für Mädchen und um die Negation des Holocaust durch 13-Jährige im Schulzimmer. Und auch um das Bleiberecht von Tausenden von Islamisten. Dieser Kampf wird viel Kraft und Ausdauer erfordern. Aber Frankreich hat keine Wahl mehr, wenn es Frankreich bleiben will.