In der Corona-Krise bekommt Trump bessere Noten — beliebt ist er deshalb noch nicht

Die Umfragewerte von Präsident Donald Trump verbessern sich. Wichtigster Grund dafür: Die amerikanische Bevölkerung unterstützt in Krisenzeiten geradezu reflexartig den jeweiligen Präsidenten.

Renzo Ruf, Washington
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Das sind gute Nachrichten für einen Präsidenten, der auf Meinungsumfragen versessen ist: Seit Beginn der Corona-Krise in Amerika bekommt Donald Trump von der amerikanischen Bevölkerung bessere Noten. So registrierten die Meinungsforscher des Nachrichtensenders «Fox News Channel», der dem Präsidenten gemeinhin freundlich gestimmt ist, vorige Woche eine Zustimmungsrate von 48 Prozent — der höchste je gemessene Wert für Trump seit Amtsantritt im Januar 2017. Und das ist keine Ausnahme. Gemäss den Umfrage-Experten der Internet-Publikation «FiveThirtyEight» haben sich die Beliebtheitswerte des Präsidenten in den vergangenen zwei Wochen um drei Prozentpunkte verbessert. Erstmals seit März 2017 sind nun weniger als die Hälfte der Amerikaner unzufrieden mit der Arbeit Trumps.

Für diese erstaunliche Entwicklung im Wahljahr 2020 gibt es eine naheliegende Erklärung: Der amerikanische Präsident ist derzeit omnipräsent. Nachdem er zu Beginn noch seinen Vize Mike Pence vorgeschickt hatte, und dieser vor allem die Gesundheitsexperten sprechen liess, dominiert Trump seit einigen Wochen die Krisen-Berichterstattung aus Washington. Er tritt buchstäblich jeden Tag vor die Medien im Weissen Haus, spricht der Bevölkerung Mut zu, attackiert seine Kritiker und stellt (allzu) rosige Prognosen über den weiteren Verlauf der Pandemie auf. Die amerikanische Bevölkerung belohnt dies, stellt sie sich doch in Krisenzeiten geradezu reflexartig hinter den jeweiligen Präsidenten. «Rally 'round the flag» nennt man diesen Effekt im lokalen Sprachgebrauch. Ein Beispiel bloss unter vielen: Präsident George W. Bush nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 von gegen 90 Prozent der Amerikaner unterstützt, obwohl er ebenfalls ein tief gespaltenes Land regierte. 

Traum-Werte für den medizinischen Berater Trumps

Aussergewöhnlich an den Umfragewerten Trump ist also eigentlich nicht die Tatsache, dass sie sich verbessert haben — aussergewöhnlich ist vielmehr, wie schlecht der Präsident im Vergleich zu anderen wichtigen Krisen-Akteuren immer noch dasteht. So wird die Arbeit von Anthony Fauci, dem wichtigsten medizinischen Berater des Präsidenten, gemäss der «Fox»-Umfrage von 77 Prozent der Bevölkerung geschätzt. Nur gerade 12 Prozent sind unzufrieden mit Fauci. Ähnlich gute Noten bekommen die Gouverneure für ihr unermüdliches Schaffen, zuvorderst der New Yorker Regierungschef Andrew Cuomo. Selbst Trumps Vize deutlich bessere Umfragewerte auf als Trump: 55 Prozent sind zufrieden mit Mike Pence, 37 Prozent unzufrieden.

Und, besonders wichtig für Trump: Auch Joe Biden, der wahrscheinliche Präsidentschaftskandidat der Demokraten, steht in den Augen der Amerikaner besser da als Präsident Trump. Wären die Wahlen ums Weisse Haus bereits heute, dann würden gemäss der «Fox»-Umfrage 49 Prozent der Amerikaner für Biden stimmen, und 40 Prozent für den Republikaner Donald Trump. (Ein knapperes Rennen prognostiziert eine Umfrage der «Washington Post», die am Sonntag veröffentlicht wurde: In dieser Erhebung bringt es Biden auf 49 Prozent und Trump auf 47 Prozent.) Noch ist es dem Präsidenten also nicht gelungen, seine schärfsten Kritiker umzustimmen.

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