Immer wieder Wut auf "Charlie Hebdo"

Die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo", die am Mittwoch Ziel eines blutigen Angriffs wurde, hat wiederholt mit provokanten Mohammed-Karikaturen für Proteste in muslimischen Ländern gesorgt. Noch die jüngste Ausgabe, die am Tag des Anschlags erschien, hatte auch den Islam zum Thema.

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"Charlie Hebdo" hatte immer wieder den Islam als Thema. (Bild: Keystone)

"Charlie Hebdo" hatte immer wieder den Islam als Thema. (Bild: Keystone)

In seiner neuen Ausgabe macht sich das Wochenblatt über das jüngste Buch "Soumission" ("Unterwerfung") des Skandal-Schriftstellers Michel Houellebecq lustig, das für Frankreich das Szenario eines muslimischen Präsidenten im Jahre 2022 entwirft. Die Überschrift der Titelgeschichte: "Die Vorhersagen des Zauberers Houellebecq: 2015 verliere ich meine Zähne ... 2022 befolge ich den Ramadan!"

Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass die Zeitung sich satirisch mit dem Islam und dem Propheten beschäftigt. Anfang 2013 widmete "Charlie Hebdo" Mohammed ein ganzes Sonderheft. In dem Comic-Band werden seine ersten 40 Lebensjahre nacherzählt, unter anderem wird Mohammed auf einer Seite nackt dargestellt.

Für Aufsehen hatte das linksgerichtete Blatt schon vorher gesorgt. So übernahm es die umstrittenen dänischen Karikaturen vom September 2011, die Mohammed unter anderem mit einer Bombe als Turban zeigten.

Dies Zeichnungen lösten in zahlreichen muslimischen Ländern wütende Proteste aus. Seither sei die Redaktion ständig bedroht worden, sagte am Mittwoch der Anwalt des Blattes, Richard Malka.

Unter Polizeischutz
Die Redaktionsmitglieder hätten seit Jahren mit dieser Bedrohung gelebt, das Innenministerium habe sie unter Polizeischutz gestellt, berichtete der Anwalt weiter. Doch "gegen Barbaren, die mit Kalaschnikows kommen, ist nichts zu machen."

Die Redaktionsmitglieder und Zeichner des 1992 gegründeten Wochenblatts griffen mit ihrer beissenden und oft derben Satire aber nicht nur fanatische Islamisten an. Genauso machten sie sich auch immer wieder über Sekten, Rechtsextreme, Fundamentalisten aller Art und die politische Szene in Frankreich lustig. (sda/afp)