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«Ich wollte nicht alle Juden beleidigen»

Vor zwei Monaten sorgte ein antisemitischer Angriff eines Flüchtlings in Berlin international für Aufmerksamkeit. Gestern stand der junge Mann vor Gericht. Er beteuerte, kein Antisemit zu sein.
Christoph Reichmuth, Berlin
Der 19-jährige Angeklagte griff sein Opfer mit einem Gürtel an. Bei der Gerichtsverhandlung war der junge Mann stark verunsichert und beteuerte, nicht streng religiös zu sein. (Bild: Michele Tantussi/Getty; 19. Juni 2018)

Der 19-jährige Angeklagte griff sein Opfer mit einem Gürtel an. Bei der Gerichtsverhandlung war der junge Mann stark verunsichert und beteuerte, nicht streng religiös zu sein. (Bild: Michele Tantussi/Getty; 19. Juni 2018)

Der Vorfall löste Solidaritätskundgebungen in mehreren deutschen Städten aus, sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel äusserte sich zum Vorfall: Im April wurde im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg ein 21-jähriger israelischer Araber – selbst nicht jüdischen Glaubens – von einem 19-jährigen Flüchtling als Jude beschimpft und mit einem Gurt angegriffen. Der israelische Araber trug zu jenem Zeitpunkt eine jüdische Kopfbedeckung, als Experiment und um seine Solidarität mit den Juden zu bezeugen, wie er aussagte. Der Vorfall erlangte nicht zuletzt deshalb breite Aufmerksamkeit, da das Opfer den Angriff mit seiner Handy-Kamera gefilmt und den Film ins Netz gestellt hatte.

Gestern nun stand der vor drei Jahren als Flüchtling nach Deutschland gereiste 19-jährige, aus Syrien stammende Palästinenser vor einem Berliner Gericht. Das mediale Interesse war gewaltig, der Mann bei seiner Befragung sichtlich eingeschüchtert. Der 19-Jährige beteuerte, nicht aus Judenhass gehandelt zu haben. «Wenn ich Juden hassen würde, dann wäre ich nicht vor drei Jahren nach Deutschland gekommen», sagte der Angeklagte. Der junge Mann gab an, an dem Tag Drogen konsumiert zu haben. Der ihm fremde Mann – sein Opfer – habe ihn seiner Ansicht nach beleidigt. Daraufhin habe er seinen Gürtel gezogen und auf den Mann eingeschlagen.

Täter bezeichnet sich als nicht religiös

Erst nach mehreren Schlägen in die Luft und zwei Treffern habe er bemerkt, dass sein Opfer eine Kippa trage. Daraufhin habe er «Jude» gerufen, als Schimpfwort. «Ich wollte ihn persönlich beleidigen, nicht alle Juden», sagte der Angeklagte, der sich als nicht streng religiös bezeichnet. Der 19-Jährige, der in Untersuchungshaft sitzt, räumte sein Fehlverhalten ein. «Ich habe mich im Recht gefühlt, ich habe ihn geschlagen, ich entschuldige mich dafür.» Das Opfer, ebenfalls seit drei Jahren in Deutschland wohnhaft, gab eine andere Version zu Protokoll. Der Angriff sei aus religiösem Motiv erfolgt. «Ich würde die Kippa nicht wieder aufsetzen, wenn ich alleine bin», sagte er. Der Angegriffene wurde bei der Attacke leicht verletzt. «Seelisch war es noch schlimmer als körperlich.» Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

Der Vorfall löste eine heftige Debatte über Judenfeindlichkeit in Deutschland aus. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) warnt, dass antisemitische Vorfälle in Berlin Jahr für Jahr ansteigen würden. Noch 2016 registrierte RIAS 470 antisemitische Vorfälle in Berlin, im vergangenen Jahr waren es bereits 947. Konservative Kreise und die Alternative für Deutschland (AfD) warnten insbesondere vor importiertem Antisemitismus durch Flüchtlinge. Schon vor dem Ereignis im Prenzlauer Berg gab es Berichte über religiöses Mobbing an mehreren Berliner Schulen, das vor allem von muslimischen Schülern ausgehe.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, zeigte sich beunruhigt: «Immer häufiger werden antisemitische Vorfälle bekannt, die von muslimischen Schülern ausgehen. Das erfüllt mich mit grosser Sorge.»

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