«Ich werde siegen»

Nächsten Montag beginnt der Parteitag der Republikaner in Cleveland, Ohio. Donald Trump wird dort zum Präsidentschaftskandidaten nominiert – und im November will er der nächste Präsident der USA werden.

Thomas Spang/Washington
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Der Kandidat der Republikaner: Donald Trump wird am Parteitag nächste Woche nominiert werden. (Bild: ap/John Bazemore)

Der Kandidat der Republikaner: Donald Trump wird am Parteitag nächste Woche nominiert werden. (Bild: ap/John Bazemore)

Greta Tarbell (63) starrt mit offenem Mund in den strahlend blauen Sommerhimmel über der Iowa State Fair. «Da ist er», ruft die Rentnerin entzückt auf, als sie am Heck der Sikorsky S-76 in fetten weissen Lettern den Namen des Kandidaten entdeckt: «T-R-U-M-P.» Hunderte Fans verfolgen gebannt, wie der schwarze Helikopter drei Ehrenrunden zieht, bevor er zur Landung ansetzt.

Das Schlagen der Rotoren vermischt sich unter das Johlen der «Trumpers. Kurz darauf steigt eine Staubwolke auf. Aus ihr hervor tritt der Mann, in dem seine Anhänger den Retter Amerikas sehen. Dunkelblaue Club-Jacke, beige Hose, weisse Lederschuhe und rote Baseball-Kappe mit der Aufschrift «Make America Great Again».

Einstudierter Auftritt

Donald Trump (70) schreitet mit breitem Haifisch-Grinsen und leicht verzögertem Gang auf die Menge zu. Der Geschäftsmann hat den einstudierten Auftritt mit einem Patent geschützt. Die mehr als zwanzig Millionen Fans der Erfolgsserie «The Apprentice», die über Jahre zur besten Sendezeit auf NBC über die Mattscheibe flimmerte, erkennen das Markenzeichen sofort wieder.

Wie er in seiner Fernsehshow Kandidaten mit den Worten «You are fired» nach Hause schickte, verspricht Trump seinen Anhängern nun, die etablierten Politiker in Washington zu feuern. Er versucht die Wahlen zum wichtigsten Amt der Welt, zur Reality-TV-Show zu verwandeln. Wobei der Sieger im November ins Weisse Haus einzieht.

Der Auftritt vor knapp einem Jahr in Iowa liefert einen Vorgeschmack auf einen Wahlkampf, wie ihn Amerika noch nicht erlebt hat. Mit einem Kandidaten, der die Wähler wie der Kinderbuch-Held Willy Wonka in seine wundersame Welt lockt. Sei es mit der Verheissung, die Supermacht wieder grossartig zu machen, oder sprichwörtlich – wie in Iowa – durch Rundflüge in seinem Helikopter.

Die Sehnsüchte der Verlierer

Mit sicherem Instinkt kanalisierte Trump die Wut der weissen Kleinbürger und Arbeiter gegen das Establishment. Er spielt mit den Ängsten, Sorgen und Wünschen dieses Wählersegments, das sich von der Globalisierung bedroht fühlt. Trump verkörpert die Sehnsüchte der Verlierer und derjenigen, die sich als solche betrachten.

«Ich werde so viel siegen, dass es Euch langweilig wird», verspricht Trump in seinen mäandernden Reden, in denen er sich als Gottes Geschenk an Amerika verkauft. «Es gibt niemanden wie mich, niemanden», gehört zu den Sätzen, mit denen der Kandidat seine Marke wie ein Waschmittelverkäufer anpreist.

Die Strenge seines Vaters

Der Mann, der überall seinen Namen anbringt, glaubt an seine eigene Herrlichkeit. Für den klinischen Psychologen George Simon ist Trump ein «Lehrbuchfall von Narzissmus». Eine Erklärung für die Selbstfixierung Trumps könnte die Strenge seines Vaters Fred sein, der in Queens und Brooklyn ein Imperium mit 27 000 Mietwohnungen aufgebaut hatte. Dieser schickte den dreizehnjährigen Donald zur Disziplinierung auf eine Militärakademie am Hudson River. Dort muss er Uniform tragen, strammstehen und sich von ehemaligen Feldweibeln zusammenbrüllen lassen.

Der Vater bewunderte aber auch die «Killer-Instinkte» Donalds, die ihn von seinem älteren Bruder Robert – einem Schöngeist – und Fred – eines in jungen Jahren verstorbenen Alkoholikers – unterschieden. Er war mit gerade einmal 26 Jahren der auserkorene Erbe der «Trump»-Organisation, der sich nach Studium in den Bronx und der Wharton Business School in die Fussspuren des Firmengründers begab.

Dem Imperium drohte der Bankrott

Mitte der Siebzigerjahre weitete Donald das Geschäft in Manhattan aus. Trump liess sich in einem silbernen Cadillac durch die Stadt chauffieren, trieb sich in den feinsten Clubs mit hübschen Models herum und füllte die Klatschspalten der Boulevardpresse. 1983 setzte er sich mit dem 202 Meter hohen Trump-Tower nahe dem Central Park ein Denkmal, für das er die Steuerzahler kräftig zur Kasse bat.

Ende der Achtzigerjahre überhebt sich Trump in Atlantic City mit dem für knapp eine Milliarde Dollar errichteten Spielkasino «Taj Mahal». Der Baumagnat hatte die Warnung von Analysten in den Wind geschlagen, die meinten, der Markt in dem Badeort an der Küste New Jerseys sei für sein als «achtes Weltwunder» angepriesenes Projekt nicht gross genug.

Der Trump-Organisation drohte der Bankrott. Und wieder hat Donald Glück. Die Banken wollen das geliehene Geld nicht abschreiben, sondern retten den Bauunternehmer vor dem Konkurs. Kurz darauf geht seine Ehe mit seiner ersten Frau Ivana zu Ende.

Die Hetzreden des Kandidaten

Mit der zweiten Frau, die Trump 1993 ehelichte, änderte er sein Geschäftsmodell. Fortan vermarktete er seine Berühmtheit. Die Risiken des Bauens überliess er überwiegend anderen. Trump orientierte sich in das Showgeschäft um und spielte wiederholt mit dem Gedanken, in die Politik einzusteigen.

Als er am 16. Juni vergangenen Jahres mit seiner inzwischen dritten Ehefrau Melania die goldene Rolltreppe des Trump-Towers herunterschwebte, um seine Präsidentschaftskandidatur bei den Republikanern anzukündigen, nahm seine Bewerbung kaum jemand ernst. Es dauerte eine Weile, ehe seine Mitbewerber und die Presse realisierten, wie sehr der Kandidat einen Nerv bei den Republikanern traf. Was andere US-Konservative zwischen den Zeilen sagen, spricht er direkt aus. Gegen den Vorwurf des Rassismus und Sexismus immunisiert sich Trump mit dem Argument, der Ernst der Lage erlaube keine «politische Korrektheit».

Unbekümmert hetzt er gegen Moslems und Mexikaner, will die einen an der Einreise hindern und die anderen mit einer Mauer fernhalten. Er verspricht, elf Millionen Einwanderer ohne Papiere zu deportieren, mutmassliche Terroristen zu foltern und deren unschuldigen Familien zu bombardieren. Frauen, die abtreiben, will er bestrafen.

Viele republikanische Führer versuchen, den Erfolg der Hetze des «Ich»-Kandidaten schönzureden. Selbst nach seinen wenig präsidialen Auftritten in Gefolge des Terroranschlags von Orlando verbreiteten sie Zweckoptimismus. Der Kandidat werde sich schon irgendwie zum Mannschaftsspieler entwickeln.

Robert Trump kennt seinen jüngeren Bruder anders. Dass er sich an Regeln halte oder von anderen kontrollieren lasse, passe nicht zu dessen Charakter. «Donald war das Kind, das auf Geburtstagsfeiern den Kuchen warf.» Die republikanischen Wähler fanden genau das attraktiv. Ob der Rest Amerikas das auch so sieht, bleibt abzuwarten.