Hunderttausende Katalanen fordern eine eigene Republik

BARCELONA. Hunderttausende Menschen haben in der katalanischen Hauptstadt Barcelona für die Unabhängigkeit ihrer Region von Spanien demonstriert.

Ralph Schulze
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Grossdemonstration der katalanischen Separatisten in Barcelona. (Bild: ap/Manu Fernandez)

Grossdemonstration der katalanischen Separatisten in Barcelona. (Bild: ap/Manu Fernandez)

BARCELONA. Hunderttausende Menschen haben in der katalanischen Hauptstadt Barcelona für die Unabhängigkeit ihrer Region von Spanien demonstriert. Der kilometerlange Protestmarsch unter dem Motto «Weg frei zur katalanischen Republik» füllte gestern nachmittag eine der zentralen Verkehrsachsen der Mittelmeer-Metropole. Nach Angaben der Veranstalter hatten sich etwa 500 000 Menschen zu der Kundgebung angemeldet.

Die Demonstration in der City Barcelonas heizt die Spannungen vor den katalanischen Regionalwahlen in zwei Wochen an, welche von der Separatistenbewegung Kataloniens zur entscheidenden Abstimmung über die Unabhängigkeit ausgerufen wurde. Spaniens Zentralregierung lehnt aber «jegliche Abspaltungspläne» ab und will eine Unabhängigkeitserklärung gerichtlich verbieten lassen.

«Die Stunde ist gekommen»

Viele Häuser in Barcelona waren gestern mit der katalanischen Flagge geschmückt. Die Wahlen sollen «ein demokratisches Mandat» für die Loslösung Kataloniens von Spanien ergeben, sagte der katalanische Regierungschef Artur Mas. Die Wähler hätten es in der Hand, über ihre eigene politische Zukunft zu bestimmen. «Die Stunde ist gekommen», riefen die Demonstranten gestern. Umfragen zufolge ist es möglich, dass die Unabhängigkeitsbefürworter, die sich zum Wahlbündnis «Gemeinsam für das Ja» zusammengeschlossen haben, die absolute Mehrheit im Regionalparlament erringen. Kataloniens Ministerpräsident Mas, der die Abspaltungsfront anführt, kündete an, dass bei einem Sieg in «maximal 18 Monaten» ein eigener Staat ausgerufen werde.

Die Wahlliste für die Unabhängigkeit besteht vor allem aus Kataloniens Regierungspartei CDC sowie ihrem parlamentarischen Partner ERC – bislang die beiden stärksten Parteien im Parlament. Einer der prominentesten Unterstützer ist zudem Pep Guardiola, der Trainer des deutschen Fussballclubs Bayern München.

Steuern und Identität

Die Massenkundgebung in Barcelona fand am «Katalonientag» statt, der stets am 11. September begangen wird. Das Datum erinnert an jenen Tag, an dem im Jahr 1714 die katalanischen Truppen von spanischen Truppen besiegt wurden. Mit dieser Niederlage verlor Katalonien damals seine weitreichende Selbstverwaltung.

Katalonien, mit etwa 7,5 Millionen Menschen, pflegt eine eigene Kultur und Sprache. Es ist eine der wirtschaftsstärksten Regionen Spaniens. Die Abneigung vieler Katalanen gegen Madrid wird von dem Eindruck genährt, dass Katalonien von der spanischen Zentralregierung steuerlich benachteiligt, politisch bevormundet und mit seiner kulturellen Identität nicht ernst genommen werde.