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Hongkongs Unternehmer stellen
die Systemfrage

Nach den grössten Protesten seit drei Jahrzehnten steckt Peking in der Defensive.
Felix Lee

Proteste  Die Freude bei den Aktivisten war gross, als am Sonntag die Teilnehmerzahl nicht nur die Millionengrenze überschritt, sondern wahrscheinlich sogar die Zwei-Millionen-Marke erreichte. Obwohl der Protestzug bereits gegen Mittag auf dem Victoria-Platz im Herzen Hongkongs beginnen sollte, strömten auch am Abend noch Zehntausende auf den Platz, um sich dem Massenprotest anzuschliessen.

«Überwältigt», sei er, sagte Joshua Wong, das Gesicht der Demokratie- proteste von 2014, als er am Montagmorgen an die Öffentlichkeit trat. «Hallo Welt und hallo Freiheit» begrüsste er seine Unterstützer. Der 22-jährige ehemalige Studentenführer Wong hatte wegen seiner Rolle in der Regenschirmbewegung 2014 bis zum Morgen eine zweimonatige Haftstrafe absitzen müssen, wurde aber wegen guter Führung einen Monat früher aus dem Gefängnis entlassen. Wong kündigte an, dass er sich unmittelbar den Protesten anschliessen werde.

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam hatte versucht, ein Gesetz durchzudrücken, das die Auslieferung von vermeintlich Kriminellen aus der Sonderverwaltungszone an China erlauben sollte. Kritiker befürchten dort Folter und unfaire Prozesse. Völlig überrascht von den Massenprotesten, gab Lam zumindest ein Stück weit nach. Sie legte die Gesetzesvorlage am Samstag auf Eis und entschuldigte sich dafür, die Lage falsch eingeschätzt zu haben. Damit geben sich die Demonstranten aber nicht zufrieden. Sie fordern, dass das Vorhaben komplett aufgegeben wird, und verlangen eine Entschuldigung von Lam auch für das gewaltsame Vorgehen der Polizei. Hongkong, das bis 1997 eine britische Kronkolonie war und für 50 Jahre als eine chinesische Sonderverwaltungszone die gleichen Rechte wie Meinungsfreiheit oder freie Wahlen behalten sollte, ist wirtschaftlich inzwischen extrem abhängig von der Volksrepublik. Hongkongs Wirtschaft hat mindestens so stark von Chinas wirtschaftlichem Aufstieg der letzten 30 Jahre profitiert wie die Volksrepublik selbst. Viele Hongkonger Unternehmer haben ihre Fabriken auf dem chinesischen Festland, auch die meisten Kunden der vielen Luxusgeschäfte in der Hongkonger Innenstadt sind Festlandchinesen.

Nervöse Geschäftsleute

Zu dem angekündigten Generalstreik ist es am Montag zwar nicht gekommen, aber in zahlreichen Geschäften hingen Schilder mit Sympathiebekundungen für die Proteste. Und auch namhafte Banker und Grossunternehmer haben sich in den letzten Tagen gegen das Gesetzesvorhaben der Regierungschefin ausgesprochen.

Joseph Cheng, 69, emeritierter Politologe an der City University of Hongkong und früherer Generalsekretär der Bürgerpartei, erklärt sich den politischen Stimmungsumschwung in der Geschäftswelt damit, dass eine Angleichung an das chinesische System auch nicht im Interesse der Unternehmer sei. «Schliesslich bedeutet Geschäftsaktivität in China oft auch Bestechung, Intransparenz, Steuerhinterziehung», analysiert Cheng. Das passe nicht zum Image Hongkongs. Allein der Gedanke, plötzlich in China vor Gericht zu stehen, reicht aus, um die Geschäftsleute nervös zu machen.

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