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Homosexueller will Polens Staatspräsident werden

Robert Biedron ist Bürgermeister von Slupsk und der bekannteste Schwulen-Aktivist des Landes. Jetzt stellt er sich in die Startlöcher für die Präsidentschaftswahlen 2020.
Paul Flückiger
Robert Biedron an einer Veranstaltung in Krakau. (Bild: Artur Widak/Getty, 15. November 2017)

Robert Biedron an einer Veranstaltung in Krakau. (Bild: Artur Widak/Getty, 15. November 2017)

Wochenlang liess er die Polen im Unklaren und heizte damit die Spekulationen an. Nun ist klar: Robert Biedron will das «rote Sofa» von Slupsk (dt. Stolp) verlassen und im Herbst wochenlang durch Polen tingeln. Das «rote Sofa» hatte der 42-Jährige vor vier Jahren auf einem öffentlichen Platz aufstellen lassen, nachdem er im zweiten Wahlgang zum Bürgermeister in der 90000-Einwohner-Stadt bei Danzig gewählt wurde. Es sollte den Kontakt zwischen Bürgern und Bürgermeister vereinfachen, Schranken abbauen. Genauso wie Biedron zuvor in seinen Ämtern die Scheiben zwischen Beamten und Antragstellern hatte entfernen lassen. Auf dem «roten Sofa» wollte er erfahren, was die Bürger von ihm erwarten.

Nun will Biedron im Herbst 40 polnische Städte bereisen, um dort beiBürgermeetings das Gleiche zu erfahren. Die möglichst lockeren Treffen sollen seiner neuen Formation Ideen und ein Programm geben. Denn Biedron hat gerade bekannt gegeben, dass er trotz guter Chancen auf eine zweite Amtsperiode (60 Prozent in den Umfragen) nicht mehr Bürgermeister von Slupsk sein will.

Das pure Gegenteil der Kaczynski-Partei

Biedron wolle hoch hinaus, hiess es schnell in Polen. Sofort wurden Vergleiche mit Macron und Obama bemüht. Robert Biedron selbst goss zusätzliches Öl ins Feuer, als er eine Umfrage für die für 2020 anstehenden Präsidentschaftswahlen auf Facebook veröffentlichte, die ihn mit 17 Prozent auf dem dritten Platz zeigen.

Dies ist umso erstaunlicher, denn Biedron ist nicht einfach ein Bürgermeister aus der polnischen Provinz, sondern der bekannteste Homosexuellen-Aktivist an der Weichsel schlechthin. Dazu sass Biedron bereits zwei Jahre als Abgeordneter der links-liberalen «Palikot-Bewegung» im Sejm, dem polnischen Parlament. Spätestens nach dieser Episode kennt ihn jeder. Und wenn auch viele Polen nicht mit ihm einig sind, so ist er als engagierter, zugänglicher, höflicher und arbeit­samer Parlamentarier bekannt geworden.

Als schwuler Atheist verkörpert Biedron mit seinem Lebensstil und seinen Überzeugungen indes das pure Gegenteil der heute erfolgreichen Kaczynski-Partei «Recht und Gerechtigkeit» (PiS). Dabei ist Biedron ausgerechnet in der PiS-Hochburg Podkarpackie (dt. Vorkarpaten) aufgewachsen. Nach der Volksschule hatte er dort zuerst eine Hotelfachschule besucht und später in Masuren und Warschau Politologie studiert. 2001 trat er den postkommunistischen Links-Demokraten (SLD) bei. Biedron engagierte sich für Schwulen- und Lesbenrechte, Gleichberechtigung, Tierrechte und lokale Selbstverwaltung. Seit 2002 lebt der Politiker mit seinem Lebenspartner Krzysztof zusammen.

Erst im Februar will er den Namen seiner neuen Bewegung bekannt geben. Sie will im Mai 2019 bei den Europawahlen antreten und soll eher linksgerichtet, weltoffen und proeuropäisch sein. Schon seit Wochen geistert im Internet folgender Arbeitstitel für die Biedron-Partei herum: «Ich liebe Polen».

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