Hohe Risiken eines harten Brexit

Zur Sache

Jochen Wittmann
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Theresa Mays Brexit-Plan ist kompromisslos. Er ist in sich logisch, aber hat potenziell katastrophale Auswirkungen. Die britische Premierministerin strebt den glatten Bruch mit der Europäischen Union an und riskiert damit nicht nur Verwerfungen mit ihren Partnern auf dem Kontinent. Vor allem riskiert sie ein Desaster für die britische Volkswirtschaft, wenn diese ab 2019 ohne einen Deal mit dem grössten Binnenmarkt der Welt dasteht.

Zugegeben, May strebt das nicht an und setzt auf einvernehmliche Lösungen. Aber wie soll es funktionieren, wenn die Premierministerin einerseits die Arbeitnehmerfreizügigkeit ebenso wenig zulassen will wie die Schiedsrichterfunktion des Europäischen Gerichtshofs, anderseits aber darauf pocht, immer noch Zugang «zu den europäischen Märkten» zu bekommen? Ihre Vorstellung von massgeschneiderten Deals für den Automobilsektor etwa oder für Finanzdienstleistungen wird für die europäischen Verhandlungspartner wie eine Rosinenpickerei aussehen, die man gelobt hatte, auf keinen Fall zuzulassen.

Rund 60 Milliarden Euro, berichtete der ehemalige britische EU-Botschafter Sir Ivan Rogers vor einem Parlamentsausschuss, könnte die Scheidung das Land kosten. Die Summe kommt zusammen, wenn man all die Verpflichtungen Londons bei Budgetzahlungen etwa oder Pensionsansprüchen addiert. Man mag sich gar nicht ausmalen, welch ein Geheul die britischen Massenblätter anstimmen werden, wenn eine Austrittsrechnung in dieser Höhe präsentiert wird. Das Eskalationspotenzial der Brexit-Verhandlungen ist gross. Seite 20