US-Wahlen
#HillaryForPrison gegen #DumpTrump – oder der Einfluss der Sozialen Medien

Die sozialen Medien haben die Präsidentschaftswahl so stark geprägt wie noch nie zuvor.

Patrick Züst, Silicon Valley
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Angriffig: Donald Trump und Hillary Clinton bei der zweiten TV-Debatte.

Angriffig: Donald Trump und Hillary Clinton bei der zweiten TV-Debatte.

Keystone/AP/John Locher

Wenn Donald Trump wütend ist, greift er zum Smartphone. Auf Twitter macht er seinem Ärger Luft, lässt bissige Hasstiraden auf politische Gegner niederprasseln. Das ist ein Grundstein seines Erfolgs: Ohne Twitter gäbe es keinen Präsidentschaftskandidaten Trump. Denn die polemischen Tweets, welche er häufig mitten in der Nacht verschickt, werden am nächsten Morgen jeweils ausgiebig von nationalen Fernseh- und Radiostationen thematisiert. Und online verbreiten sich die Kurzmitteilungen sowieso rasend schnell, dafür sorgen Trumps 13 Millionen Follower.

Der Wahlkampf im Netz ist eine erbarmungslose Schlacht, welche derzeit auf Facebook, Twitter und Instagram ausgetragen wird. Denn die sozialen Medien haben bei den aktuellen Präsidentschaftswahlen einen so hohen Stellenwert wie noch nie: Für Kandidaten ist es der einfachste und vor allem billigste Weg, um in die Schlagzeilen und damit ins Gespräch zu kommen. Zudem ist es die einzige Möglichkeit, um jene Wähler zu erreichen, welche diese Wahl entscheiden werden: die «Millennials» – die um die Jahrtausendwende Geborenen.

Das zumindest sagt Harvard-Professor John Della Volpe: «Mit Fernsehwerbungen kann man junge Wähler heute nicht mehr an die Urne locken – Social Media wird diese Wahl entscheiden.» Im Gegensatz zur Schweiz nimmt Twitter in den USA dabei eine besonders wichtige Rolle ein; rund 60 Prozent aller Millennials haben einen Account.

Und Donald Trump hat schnell gemerkt, wie er den Kurznachrichtendienst nutzen muss, um Erfolg zu haben. Sein Prinzip sei simpel, sagte Della Volpe am Swiss Media Forum: «Je gemeiner Donald Trump auf Twitter ist, desto mehr Lob und Anerkennung bekommt er. Das hat aber auch dazu geführt, dass die Glaubwürdigkeit beider Kandidaten so tief ist wie noch nie zuvor.»

Roboter für die Kandidaten

Social Media hat die Präsidentschaftswahl dieses Jahr nicht nur geprägt, sondern massgeblich beeinflusst. Hashtags wie #CrookedHillary, #HillaryForPrison, #DonaldDrumpf und #DumpTrump entwickelten sich zu geflügelten Worten in politischen Debatten. Was auf Social Media diskutiert wurde, hat nicht nur die Berichterstattung der «klassischen» Medien beeinflusst, sondern auch die Popularität der Kandidaten.

Diese Dynamik in den sozialen Netzwerken wurde gezielt gesteuert – nicht nur von den Anhängern der Kandidaten, sondern auch von gefälschten Profilen. Sogenannte Bots haben automatisch und massenhaft Beiträge zugunsten einer Partei veröffentlicht und so das Klima in den sozialen Medien stark beeinflusst. Wie eine Oxford-Studie zeigt, stammt rund ein Drittel aller Pro-Trump-Beiträge von gefälschten Profilen, bei Hillary Clinton ist es ein Fünftel.

Im Vergleich zu den ausufernden Posts von Trump, präsentiert sich Clinton auf Social Media sehr gesittet. Alles ist durchdachter, sogar auf Snapchat wirken die publizierten Videos und Bilder irgendwie gestellt. Das macht Sinn, schliesslich würden allfällige Fauxpas vom politischen Gegner sofort aufgegriffen. So ist es auch Ted Cruz ergangen, der bei den republikanischen Vorwahlen nicht gegen die Macht des Internets ankam. Seine politischen Gegner haben mit viralen Bildern und Videos im Internet die Kampagne des Republikaners immer wieder geschwächt und damit zum frühzeitigen Ausscheiden von Cruz beigetragen.

Wenn jede Stimme zählt

Das Internet nimmt aber nicht nur Einfluss bei der Meinungsbildung, sondern auch bei der eigentlichen Wahl. Die App #NeverTrump stammt aus dem Silicon Valley und könnte Hillary Clinton einen entscheidenden Vorteil verschaffen. Die Idee dahinter ist einfach: Weil viele Amerikaner weder Clinton noch Trump wählen, werden zahlreiche Stimmen auf Vertreter von Kleinparteien fallen. Da diese Kandidaten aber keinerlei Siegeschancen haben, ermöglicht #NeverTrump das Tauschen von Stimmen über das Internet. Wer in einem Swing-State lebt und eine Kleinpartei wählen will, tauscht seine Stimme mit einem Clinton-Wähler aus einem Bundesstaat, der nicht umkämpft ist. So kommt die Stimme gegen Trump in den Swing-State und die Stimme für die Kleinpartei wird trotzdem gezählt.

So präsent wie bei diesen Wahlen war das Internet noch nie. Profitieren konnten dabei vor allem Facebook und Google: Die Wahlkampagnen der Kandidaten haben den beiden Grosskonzernen insgesamt über 1 Milliarde Dollar eingebracht, wie das Marktforschungsunternehmen Borrell Associates berechnet hat. Deshalb waren die Kandidaten ständig präsent in den sozialen Medien. Und deshalb sind viele Amerikaner jetzt auch froh, wenn diese Präsidentschaftswahl endlich vorbei ist.