Hillary Clinton quittiert den Dienst

Die US-Aussenministerin will nach den Präsidentschaftswahlen 2012 ihre politische Karriere beenden. Sie stehe auch nach einer Wiederwahl Präsident Obama nicht mehr zur Verfügung.

Walter Brehm
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Hillary Clinton (Bild: ap)

Hillary Clinton (Bild: ap)

Eine grosse Ankündigung an historischer Stelle. Nach einem Besuch auf dem Freiheitsplatz in Kairo sagte Hillary Clinton in einem Interview mit dem amerikanischen Nachrichtensender CNN: «Nach den Präsidentschaftswahlen im November 2012 will ich keiner Regierung mehr angehören – weder als Vizepräsidentin noch als Verteidigungsministerin.» Die 63jährige Politikerin war für beide Posten im Gespräch gewesen, wurde aber vor allem für den möglichen Abgang von Bob Gates im Sommer als erste Frau im Pentagon gehandelt.

Auch eine innerparteiliche Kandidatur gegen den amtierenden Präsidenten Obama schloss die demokratische Politikerin auf Nachfrage von CNN mit einem kategorischen «No!» aus. «Die Präsidentschaftskampagne war für mich eine wunderbare Erfahrung. Aber ich habe derzeit das beste Amt, das ich haben kann. Ich kann mir nichts anderes vorstellen, das derart herausfordernd, schwierig und befriedigend ist. Das Amt der Aussenministerin ist mein letztes Amt.»

Über ihre Pläne verriet die 63jährige Hillary Clinton nur: Sie wolle sich sozialen und karitativen Belangen widmen.

Im Herzen links, im Kopf rechts

Ihre politische Karriere hatte Hillary Rodham im Teenageralter auf der rechten Seite des politischen Spektrums der USA begonnen. Aufgewachsen in einem streng antikommunistischen und religiösen Elternhaus unterstützte Hillary als 13-Jährige die erste Präsidentschaftskandidatur von Richard Nixon gegen John F. Kennedy, den damaligen politischen Hoffnungsträger der Demokraten.

Doch in den 60er-Jahren begann auch die Bürgerrechtsbewegung gegen die Unterdrückung der Schwarzen Hillary zu beeinflussen. Mit 15 Jahren beschrieb sie sich selber als «im Herzen linksliberal, dem Verstand nach konservativ». Als junge Erwachsene war Hillary Rodham eine Art linke Rechte. Danach wurde sie zu einer rechten Linken. Sie blieb also im Herzen linksliberal, und der kühle Kopf blieb stets konservativ. Schon damals sagte man ihr eine grosse politische Zukunft voraus; sie habe das Zeug, Senatorin oder sogar Präsidentin zu werden.

Rückzug nicht endgültig?

Das wurde dann Bill Clinton. Hillary avancierte aber zur aktivsten First Lady in der Geschichte der USA. Sie versuchte, eine Reform des US-Gesundheitssystems durchzusetzen – und scheiterte. Aus der aktiven Politik zog sie sich aber vorübergehend zurück, als ihr Mann in der Monica-Lewinsky-Affäre als Ehebrecher und Lügner entlarvt worden war. Es war aber kein Annehmen einer traditionelle Frauenrolle, wie Hillary dann als Senatorin von New York und 2008 im Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur unter Beweis stellte. Und politische Experten in Washington glauben ihr den «endgültigen» Rückzug noch nicht.