Hilferuf aus der türkischen Kurdenstadt Cizre

ISTANBUL Die kurdisch-linke HDP (Partei der Völker) hat gestern einen Notruf erlassen. Nach ihren Angaben sind in der vom Militär belagerten kurdischen Stadt Cizre 28 verwundete Menschen in einem Haus eingeschlossen, die dringend ärztliche Hilfe benötigen. Vier von ihnen seien bereits gestorben.

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ISTANBUL Die kurdisch-linke HDP (Partei der Völker) hat gestern einen Notruf erlassen. Nach ihren Angaben sind in der vom Militär belagerten kurdischen Stadt Cizre 28 verwundete Menschen in einem Haus eingeschlossen, die dringend ärztliche Hilfe benötigen. Vier von ihnen seien bereits gestorben. Wenn die Verwundeten nicht versorgt würden, sei mit etlichen weiteren Toten zu rechnen. In Cizre ist schon vor Wochen eine Ausgangssperre verhängt worden. Kurdische Militante und die Armee kämpfen um die Kontrolle in mehreren Stadtvierteln.

Abgeordnete im Hungerstreik

Nach Angaben von HDP-Vertretern vor Ort wird das Haus von Spezialeinheiten der Polizei belagert und beschossen. Drei Abgeordnete der Partei haben bereits am Mittwoch im Innenministerium in Ankara versucht zu erreichen, dass die Polizei Ambulanzfahrzeuge vorfahren lässt, um die Verwundeten zu bergen. Obwohl der stellvertretende Innenminister Sebahattin Öztürk sich darauf mit dem Gouverneur vor Ort in Verbindung gesetzt hat, passierte dort nichts. Ambulanzen wurden nicht durchgelassen. Die drei HDP-Abgeordneten, unter ihnen der Ex-Bürgermeister von Diyarbakir, Osman Baydemir, haben darauf im Innenministerium einen Hungerstreik begonnen.

Während die HDP von verletzten Zivilisten spricht, die in das Haus geflüchtet seien, sprechen die regierungsnahen Medien davon, dass sich PKK-Militante in dem Haus befänden, die von dort aus auf Polizisten geschossen hätten. Auf Veranlassung des Gouverneurs sei aber dennoch ein Krankenwagen in die Nähe des Hauses gebracht worden, doch kein Verletzter habe diesen in Anspruch nehmen wollen.

Hoffen auf das Ausland

Da die Stadt Cizre vom Militär abgesperrt ist, ist es unmöglich, unabhängige Informationen zu erhalten. Die telefonischen Notrufe sind aber so dramatisch, dass Amnesty International jetzt zu einer «Urgent Action» aufgerufen hat. Ausländische Regierungen sollen sich einschalten. Kurdische Vertreter fordern schon länger, dass die EU sich in den Konflikt im Südosten der Türkei einschalten solle. (J. G.)

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