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Angriff auf Redaktion
war Resultat einer Fehde

Der Mann, der am Donnerstag in einer Lokalredaktion in Annapolis fünf Menschen ermordete, trug mit der Zeitung einen jahrelange Fehde aus. Er fühlte sich von der Zeitung in seiner Ehre verletzt.
Renzo Ruf, Washington
Polizisten vor dem Tatort in Annapolis. Bild: Jose Luis Magana/AP (28. Juni 2018)

Polizisten vor dem Tatort in Annapolis. Bild: Jose Luis Magana/AP (28. Juni 2018)

Am Tag danach klaffte auf der Meinungsseite des Lokalblattes «The Capital», für die an normalen Tagen der exzentrische Redaktor Gerald Fischman zuständig zeichnete, ein grosses Loch. Anstelle eines beissenden Kommentars über das Budget oder ein Stadtverschönerungsprogramm in Annapolis, der putzigen Hauptstadt des Bundesstaates Maryland, war eine Trauerbotschaft zu lesen. «Heute sind wir sprachlos», hiess es unter anderem. Und dann waren die fünf Namen der Menschen aufgeführt, die am Donnerstag von einem Amokläufer in den Redaktionsräumlichkeiten der Zeitungen getötet worden waren: Gerald Fischman. Rob Hiaasen. John McNamara. Rebecca Smith. Wendi Winters.

Der Anschlag auf das Büro der Herausgeberin der Zeitungen «The Capital» und «Maryland Gazette» hatte sich am Donnerstagnachmittag ereignet – und landesweit für Aufsehen gesorgt, weil es selbst in den USA selten vorkommt, dass Journalisten während der Ausübung ihres Berufes getötet werden. Rasch kristallisierte sich heraus, dass der Täter schon lange eine Fehde mit der Lokalzeitung hatte.

Die traurige Geschichte nahm ihren Anfang im Sommer 2011 – mit einem Artikel über einen Gerichtsfall. Unter dem Titel «Jarrod möchte dein Freund sein» schrieb der Kolumnist Eric Hartley über einen 31-jährigen Mann, der einer Frau monatelang virtuell Avancen gemacht habe. Als die ehemalige Schulkollegin ihn zurückwies, schikanierte er sie aufs Massivste. «Du kannst mich nicht bremsen», schrieb Jarrod Ramos der Frau. Selbst die lokale Polizei fand, dass Ramos mit einer selten gesehenen Aggressivität vorgegangen sei – und ein Richter verurteilte ihn zu einer 90-tägigen Bewährungsstrafe.

Gerichte liessen ihn abblitzen

Nach der Publikation des Artikels deckte Ramos, ein Informatiker auf der Lohnliste der Bundesregierung, die Zeitung mit Klagen ein. «The Capital» habe seine Ehre verletzt, behauptete er. Lokale Gerichte aber liessen ihn abblitzen – denn Journalisten ist es in den USA explizit gestattet, ausführlich und mit Namensnennung über Gerichtsverfahren zu berichten. Zuletzt urteilte ein Berufungsgericht in Maryland im Jahr 2015, dass Ramos (der auf einen Anwalt verzichtet hatte) nicht verstanden habe, wann eine Klage aufgrund von Ehrverletzung zulässig sei.

Trotz dieser Niederlage setzte er aber seine virtuelle Kampagne fort mit zum Teil abstrusen Drohungen gegen den Kolumnisten Eric Hartley und den damaligen Herausgeber des Blattes, Tom Marquardt. Letzterer sagte am Donnerstag, er sei nicht überrascht gewesen, als er die Identität des Amokläufers erfahren habe. «Ich habe mich persönlich durch diesen Typen bedroht gefühlt», sagte Marquardt einer Zeitung in Virginia. «Wir waren damals alle besorgt.»

Die Polizei aber kam 2013 zum Schluss, dass von Ramos keine unmittelbare Gefahr ausgeht, und die Zeitung verzichtete auf eine Klage, wie der zuständige Polizeichef Timothy Altomare gestern sagte.

Anne Arundel County Police Chief Altomare sagte gestern, dass der mutmassliche Attentäter, der wegen fünffachen Mordes angeklagt worden ist, derzeit die Aussage verweigere.

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