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HELMUT KOHL: «Er war ein Glück für Deutschland»

In der Stunde seines Todes verneigt sich Deutschland vor Helmut Kohl. Vor seinem Haus liegen Blumen, auch einst mit ihm verfeindete Medien ehren Kohl als grossen Staatsmann.
Christoph Reichmuth, Berlin

Christoph Reichmuth, Berlin

Vor Helmut Kohls Haus im pfälzischen Oggersheim legten Anwohner gestern Blumen nieder, zündeten Kerzen an und schrieben letzte Grüsse auf vor dem Eingangsbereich hinterlegten Karten, «Danke für Ihr Lebenswerk», stand auf einer davon. Auch wenn mit dem Tod des nach einem Sturz gesundheitlich schwer angeschlagenen Altkanzlers seit Jahren gerechnet werden musste, berührte die Nachricht vom Ableben des 87-Jährigen viele Deutsche.

Das Land war im Gedenken an einen grossen Bundeskanzler vereint. Helmut Kohl, so streitbar er sein mochte, prägte als «ewiger Kanzler», wie er respektvoll und in Anspielung auf seine 16 Jahre dauernde Regierungszeit zwischen 1982 und 1998 genannt wurde, eine ganze Generation. Deutsche Medien hielten sich in ihren Würdigungen mit kritischen Betrachtungsweisen zurück, im Vordergrund stand Kohls unbestrittene grosse Lebensleistung: Er hat die Zeichen der Zeit durch den Mauerfall erkannt und es geschafft, das geteilte Deutschland zusammenzuführen und die europäische Integration – als Projekt des Friedens – voranzutreiben.

«Mit Kohl stirbt auch ein Teil der eigenen Biografie»

Alle Medien ehrten den Altkanzler, ebenso wie Politiker sämtlicher Parteien. Auch das Magazin «Der Spiegel», mit dem sich Kohl einst überworfen hatte, würdigte den Einheitskanzler in persönlich gefärbten Essays. «Ich musste viel älter werden, zu erkennen, welch ein Geschenk es war, dass einer an der Spitze unserer Regierung stand, der den Krieg erlebt und daraus die richtige Lehre gezogen hatte: dass es unbedingt nötig war, in guter Nachbarschaft und Verbundenheit mit unseren früheren Opfern und Feinden zu leben», schrieb ein Redaktor. Und ein weiterer «Spiegel»-Journalist räsonierte am Ende seines Artikels: «Am Ende geht es mir wahrscheinlich wie vielen: Mit Kohl stirbt auch ein Teil der eigenen Biografie. Er war immer da, solange ich denken konnte. Nun ist er nicht mehr da. Und, ja, das ist traurig.» Die mit Kohl eng verbunde­ne Boulevardzeitung «Bild» schrieb: «Helmut Kohl ist tot. Aber in Millionen Europäern lebt er weiter. Er lebt weiter in der Freiheit von Millionen Menschen, die im Osten Deutschlands geboren wurden und Kohls unermüdlichem Wirken, seiner Vision, seiner Entschlossenheit und seinem Gespür für den historischen Moment die Wiedervereinigung verdanken.» Kohl habe die europäische Einigung so vorangetrieben, «dass Krieg auf diesem Kontinent unmöglich geworden ist. In Zeiten von Brexit und Populismus könnte es kein mächtigeres Zeichen geben als das Leben von Helmut Kohl.»

Spenendaffäre dürfte im Laufe der Zeit verblassen

Die linksliberale «Süddeutsche Zeitung» schrieb von einer «Trias der grossen Bundeskanzler» und nannte dabei Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Kohl. «Adenauer steht für Aufbau und Westintegration; der Sozialdemokrat (...) Willy Brandt für gesellschaftliche Liberalität und aussenpolitische Versöhnung; Kohl, das gebrannte Kriegskind, hat Deutschland nach Europa geführt und dort verankert.» Am Ende seiner Kanzlerschaft sei Kohl an seiner eigenen Hybris gescheitert, spielte die Zeitung auf die Parteispendenaffäre an, welche Kohl den Ehrenvorsitz in der CDU gekostet hatte. «Diese Affäre aber wird im Laufe der Zeit verblassen», ist die Zeit ung überzeugt. «Was bleiben wird, ist der Bundeskanzler Helmut Kohl, der einige Male im richtigen Moment das Richtige getan hat. Nicht alles war gut, aber manches war so gut, dass es historische Bedeutung gewann.» Auch der Bonner «General-Anzeiger» spielt auf die CDU-Parteispendenaffäre um ihn an, forderte aber: «Kohl hat es verdient, dass sich der Blickwinkel wandelt und sich der graue Schleier hebt. Er sollte faire Richter bekommen, frei von den Sympathien und Antipathien, die ihn zu Lebzeiten verfolgt haben. Kohl hat es verdient. Er war ein Glück für Deutschland.»

Noch nicht entschieden ist, wann und ob es für Kohl einen Staatsakt geben wird. Ausschlaggebend dafür, so heisst es, sei dafür der Wunsch der Familie Kohl.

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