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Norwegischer Minister verliert nach privater Iranreise seinen Job

Der einwanderungskritische Fischereiminister Per Sandberg reiste mit seiner Geliebten in den Iran. Kritiker halten die Frau für eine Spionin. Nun tritt er zurück.
Niels Anner, Kopenhagen
Per Sandberg, norwegischer Fischereiminister. (Bild: Ilja C. Hendel)

Per Sandberg, norwegischer Fischereiminister. (Bild: Ilja C. Hendel)

Laut eigenen Angaben hatte Per Sandberg, Norwegens Fischereiminister, bereits letzte Woche ­Regierungschefin Erna Solberg seinen Rücktritt angeboten. Vollzogen wurde dieser erst am Montag; Solberg hat wohl eingesehen, dass die Situation ihre Regierung in Schwierigkeiten brachte. Die konservative Politikerin hatte ihren Minister zwar zuvor gerügt, aber auch erklärt, jeder könne Fehler begehen.

Sandberg, der auch Vizepräsident der rechtspopulistischen Fortschrittspartei FrP ist, hatte im Juli im Iran Ferien gemacht – just während das Verhältnis zwischen dem Mullah-Regime, den USA und anderen westlichen Staaten stark angespannt ist. Er sei rein privat gereist, erklärte der 58-Jährige danach.

Seinen Regierungskollegen hatte er vorgängig nichts gesagt – ein klarer Regelverstoss. Zudem musste sich Sandberg entschuldigen, weil er sein Diensthandy mitgenommen hatte. Dies ist in Risikoländern wie China, Russland oder eben Iran untersagt. Wahrscheinlich seien iranische Agenten nun an sensitive Informationen aus Sandbergs Handy herangekommen, erklärten Sicherheitsexperten. Zudem wurde bekannt, dass der Fischereiminister bei einer China-Reise dasselbe Handy benutzt hatte.

Sandberg ist harter Einwanderungskritiker

Die Regierungschefin begründete den Rücktritt mit der Missachtung der Sicherheitsvorschriften. Ein anderer Faktor hatte aber bei Freund und Feind ebenfalls zu viel Kritik geführt: Sandbergs Reisebegleitung. Der seit Mai von seiner Ehefrau getrennte Minister war mit seiner 30 Jahre jüngeren Geliebten, der iranisch-norwegischen Doppelbürgerin Bahareh Letnes gereist. Sie hatte als 16-Jährige in Norwegen Asyl erhalten, weil ihr eine Zwangsheirat drohte. Einige Jahre später war Iran für sie offenbar nicht mehr gefährlich: Letnes kehrte mehrmals zurück, nahm an Miss-Wahlen teil und wurde 2013 zur Miss Iran gekürt.

Sandberg seinerseits ist ein harter Einwanderungskritiker. Er plädierte früher dafür, keine Nichteuropäer mehr ins Land zu lassen, und forderte elektronische Fussfesseln für Flüchtlinge. Auch wenn in den letzten Jahren sich andere Partei-Exponenten als Scharfmacher hervortaten, trug Sandberg deren Politik mit. Dazu gehört pikanterweise auch die Forderung, Flüchtlingen Ferienreisen in ihre Heimatländer zu verbieten. Im Fall von Letnes sieht Sandberg kein Problem: Seine Freundin sei Norwegerin.

Problematischer wirkt, dass Letnes eine kleine Firma führt, die Beziehungen zwischen Iran und Norwegen pflegt, auch im Fischexport. Kritiker warfen Sandberg Scheinheiligkeit, Befangenheit oder gar Dummheit vor – auch, weil er auf der iranischen Botschaft den Jahrestag der Revolution mitgefeiert habe.

Andere gehen weiter: Letnes habe gute Kontakte nach Teheran, könnte eine Spionin sein; Sandberg sei in eine «Sexfalle» getappt. Das Paar weist alle Vorwürfe entschieden zurück, doch der norwegische Geheimdienst hat nun begonnen, die Beziehung zu durchleuchten.

Als FrP-Vizepräsident zurückgetreten

Für die Regierung bleibt die Situation brenzlig. Solberg muss noch zahlreiche parlamentarische Anfragen beantworten – etwa, was mit der Mitteilung von Sandbergs Ex-Frau, einer Staatssekretärin, passiert sei. Sie hatte die Regierung im Mai gewarnt, Letnes gehe beim Fischerei­minister ein und aus.

Am Montag räumte Solberg zudem ein, andere Regierungsmitglieder hätten auch ihre Handys in Risikoländer mitgenommen. Sandbergs politische Karriere ist derweil wohl vorüber. Er trat inzwischen auch als FrP-Vizepräsident zurück.

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