HDP-Chef tritt in Hungerstreik

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Türkei Mehr als vier Monate nach seiner Verhaftung tritt der Chef der pro-kurdischen türkischen Oppositionspartei HDP, Selahattin Demirtas, aus Protest gegen die Haftbedingungen in den Hungerstreik. Ab heute würden er und der ebenfalls im Gefängnis der westtürkischen Stadt Edirne einsitzende HDP-Abgeordnete Abdullah Zeydan die Aufnahme von Essen verweigern, heisst es in einer gestern von der HDP veröffentlichten Erklärung.

Der Protest richte sich gegen «ungesetzliche» und «unmenschliche» Praktiken, denen die anderen Häftlinge ausgesetzt seien. Die Streikenden protesteieren ausserdem dagegen, dass der Gefängnisdirektor jede Gesprächsbereitschaft verweigere. So werde nichts unternommen, um den seit Tagen im Hungerstreik befindlichen Häftlingen entgegenzukommen.

Dutzende Häftlinge im Hungerstreik

Nach Angaben des Nachrichtenportals Bianet befinden sich Dutzende wegen Terroranschuldigungen verurteilte Häftlinge seit Wochen zeitweise oder vollständig im Hungerstreik. Demirtas, die Co-Vorsitzende

Figen Yüksekdag und zahlreiche weitere HDP-Abgeordnete waren im November wegen Terrorvorwürfen verhaftet worden. Zurzeit sitzen neben Demirtas und Yüksekdag elf HDP-Abgeordnete in Untersuchungshaft. Yüksekdag hatte im Februar nach einer Gerichtsentscheidung ihr Mandat als Abgeordnete im Parlament in Ankara verloren. Anfang März erkannte ein Gericht ihr zudem den Status als Parteichefin ab. Die HDP betrachtet Yüksekdag dennoch weiter als ihre Co-Vorsitzende.

Seit dem Putschversuch vom vergangenen Juni hat die türkische Regierung immer wieder Personen festgenommen. Insgesamt soll es rund 40 000 politische Gefangene geben. (sda/red)