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Hausarrest aufgehoben –«Seawatch»-Kapitänin Carola Rackete kommt frei

Die italienischen Ermittlungsrichter haben am Dienstagabend entschieden: Die deutsche Kapitänin Carola Rackete kommt frei. Der Hausarrest gegen die 31-Jährige wurde wieder aufgehoben.

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(sda/lim) Die Kapitänin der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch, Carola Rackete, kommt frei. Ein italienischer Ermittlungsrichter im sizilianischen Agrigent hob den Hausarrest am Dienstag auf, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete.

Es seien keine weiteren freiheitsentziehenden Massnahmen angeordnet worden. Italiens Innenminister Matteo Salvini erklärte gleichzeitig, die Ausweisung Racketes sei vorbereitet. Sie stelle eine Gefahr für die nationale Sicherheit dar.

Rackete hatte vergangene Woche das Rettungsschiff «Sea-Watch 3» mit mehr als 40 Bootsflüchtlingen an Bord unerlaubt in die italienischen Hoheitsgewässer gesteuert. In der Nacht auf Samstag fuhr sie - ebenfalls trotz eines Verbots - in den Hafen der sizilianischen Insel Lampedusa. Am Samstag war sie festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden. Die «Sea-Watch 3» wurde beschlagnahmt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung und will den genauen Fortgang des Rettungseinsatzes untersuchen. Im schlimmsten Fall droht Rackete eine Haftstrafe.

Auf dem Meer gewartet

Die deutsche Organisation Sea-Watch hatte nach der Rettung von insgesamt 53 Flüchtlingen vor der libyschen Küste am 12. Juni mehr als zwei Wochen auf dem Meer vergeblich auf eine Erlaubnis zum Anlegen in Italien gewartet.

Rackete rechtfertigte ihre Entscheidung, das Anlegen zu erzwingen, mit der verzweifelten Lage an Bord und der Sorge, dass Menschen über Bord in den Tod springen könnten. Die Staatsanwaltschaft sieht eine solche Notlage nicht, auch weil 13 Flüchtlinge das Schiff unter anderem aus gesundheitlichen Gründen schon früher verlassen konnten.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte wenige Tage vor dem unerlaubten Einlaufen der «Sea-Watch 3» in den Hafen von Lampedusa einen Eilantrag unter anderem von Rackete abgelehnt, mit dem Schiff in Italien anlegen zu dürfen.

Nach ihrer Festnahme wurden in Deutschland und Italien jede Menge Spenden für Sea-Watch gesammelt - mehr als eine Million Euro kamen unter anderem durch den Aufruf von den Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf zusammen. Damit sollen die Gerichtskosten für Rackete und eventuell ein neues Schiff finanziert werden, erklärte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer.

Carola Rackete wurde in Lampedusa verhaftet. (Bild: AP)

Carola Rackete wurde in Lampedusa verhaftet. (Bild: AP)

Verteilung der Flüchtlinge gefordert

Italien will keine NGO-Schiffe anlegen lassen, wenn nicht gewährleistet ist, dass die Flüchtlinge auf andere EU-Staaten verteilt werden. Über die 53 Menschen wird noch immer verhandelt. Sie befinden sich weiterhin auf Lampedusa. Fünf Staaten wollen sich an einer Lösung beteiligen.

In den Fall Rackete hatte sich selbst der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eingeschaltet und Italien wegen der Festnahme kritisiert. Die deutsche Regierung hatte sich generell gegen eine «Kriminalisierung von Seenotrettern» ausgesprochen, aber von den Helfern auch die Einhaltung geltenden Rechts gefordert.

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