Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Harsche Kritik an Löwenzucht

Als Kätzchen werden sie gestreichelt, als Grosskatzen später erschossen: Die industrielle Löwenzucht in Südafrika ist stark umstritten. Immer wieder fordert die unethische Praxis auch Opfer unter den Menschen.
Markus Schönherr, Kapstadt
Ein Tierpfleger füttert einen Löwen in einer Zuchtstation im südafrikanischen Wolmaransstad. (Bild: Brent Stirton/Getty)

Ein Tierpfleger füttert einen Löwen in einer Zuchtstation im südafrikanischen Wolmaransstad. (Bild: Brent Stirton/Getty)

«Los, er kennt das Prozedere schon», sagt Willie, der Bure in Stiefeln und Khaki-Shorts. Mit einer schnellen Handbewegung winkt er die Touristen in den Käfig, wo ein Gepard sich im Gras die Sonne auf den Bauch scheinen lässt. Die Gruppe zögert. Dann zückt sie das Smartphone, posiert für ein Foto mit der Raubkatze und verlässt fluchtartig das Gehege. Gut gegangen – diesmal zumindest. Allerdings wächst in Südafrika die Kritik an der Zucht und der Käfighaltung von Raubkatzen immer mehr. Organisationen fordern jetzt ein Ende der Praxis, die Tier und Mensch gleichermassen gefährde.

Löwen gehören in die Savanne, nicht in den Käfig – nirgendwo bekommt dieses Kredo mehr Bedeutung als in Südafrika mit seinen endlosen Steppen. Deshalb haben sich sechs Naturschutzorganisationen jetzt in einem offenen Brief an Südafrikas Umweltministerin Edna Molewa gewandt, um ein Ende der Käfigzucht von Löwe, Gepard und Tiger zu fordern.

Löwe schleift Besitzer durch das Gehege

Ihr Aufschrei folgt dem Zwischenfall zu Monatsbeginn, bei dem ein Löwe seinen Besitzer durch das Gehege schleifte und schwer verletzte. Der britische Safariparkbetreiber Michael Hodge hatte den Löwen Berichten zufolge als Neugeborenes mit der Flasche aufgezogen. Doch alles, was schliesslich von der Safariromanze blieb: ein Internetvideo, in dem der Löwe Hodge am Genick packt, Angstschreie von Touristen und der Befehl: «Holt ein Gewehr, nur für alle Fälle.»

«Es gibt keine Gesetze, die die Haltung von Raubtieren regeln: welche Arten, von wem, für welchen Zweck und unter welchen Voraussetzungen», klagt der Brief der Tierschützer. «Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass die Zwischenfälle mit Verletzten oder Toten infolge von Interaktionen mit gefangenen Raubtieren weitergehen werden.» Auch der Vorfall im Thabazimbi-Wildpark sei «kein Einzelfall» gewesen. So berichten die Organisationen von mindestens 37 Angriffen in Südafrika von vermeintlich zahmen Raubkatzen in den vergangenen Jahren auf Touristen und Tierpfleger, 12 von ihnen endeten tödlich für die Menschen.

Sorge bereitet auch die Sicherheit der Besucher

Meist argumentieren die Besitzer der Löwenpärke: Es gehe um Aufklärung und darum, zu zeigen, dass Raubkatzen nicht die Killer seien, für die manch einer sie hält. Ein Teil der Einnahmen, versprechen einige Reservate, fliesse ausserdem in Umweltschutzprojekte und komme somit Löwen in freier Wildbahn zugute. Organisationen wie der Endangered Wildlife Trust (EWT) lassen dieses Argument aber nicht gelten. «Seit 2009 fordern wir einen radikalen Wandel für das Geschäft mit gefangenen Löwen. Sorge bereiten uns neben dem Wohlergehen der Tiere auch die Sicherheit der Besucher und die fehlende Transparenz seitens der Pärke.»

Eng verwoben mit dem Grosskatzen-Streichelzoo ist das sogenannte «canned hunting» – die Trophäenjagd im Grossgehege. Aktivisten bezeichnen die Praxis als unethisch, Jäger als unsportlich. An Afrikas Südzipfel nährt sie jedoch eine Grossindustrie. Das ist nicht zuletzt so, da es reiche Asiaten auf die Knochen der Löwen abgesehen haben, die in der traditionellen Medizin als Allheilmittel eingesetzt werden. Noch stelle der Knochenhandel eine kleine Gefahr für die Tiere dar, verglichen etwa mit der Zerstörung ihres Lebensraums. Doch Biologen prognostizieren den Grosskatzen eine dunkle Zukunft: Allein aus Südafrika wurden zwischen 2008 und 2011 fast 12 Tonnen an Löwenknochen nach Asien exportiert.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.