Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Libanon: Hanfpflanze als Basis für die Sanierung

Das Beratungsunternehmen McKinsey empfiehlt der libanesischen Regierung, den Anbau von Cannabis zu fördern, das bislang vor allem zu Haschisch verarbeitet worden ist.
Michael Wrase
Bislang werden Hanfplantagen vom libanesischen Staat bekämpft und wie hier in der Beekaebene zunichte gemacht. (AP Photo/Hussein Malla/AP; 20. August 2009)

Bislang werden Hanfplantagen vom libanesischen Staat bekämpft und wie hier in der Beekaebene zunichte gemacht. (AP Photo/Hussein Malla/AP; 20. August 2009)

Der Anbau und Besitz von Cannabis ist im Libanon illegal – was die Bauern der Zedernrepublik freilich nicht daran hindert, eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt trotzdem anzubauen. Man habe keine andere Wahl, argumentieren die Landwirte. Der Anbau von Gerste, Weizen, Kartoffeln und Kichererbsen reiche zum Überleben einfach nicht aus. Mit einem Hektar Cannabis lasse sich dagegen bis zu 80 Kilogramm Haschisch erzeugen, das auf dem «freien Markt» für rund 20000 Euro verkauft werden kann.

Mit dem Vertrieb von Haschisch finanzierten sich einst die libanesischen Bürgerkriegsmilizen. Heute soll die pro-iranische Hisbollah den Handel und Anbau kontrollieren. Die libanesische Gendarmerie, die Anfang der 90er-Jahre zahlreiche Cannabis-Plantagen rigoros vernichtet hatte, sieht machtlos zu. Doch das könnte sich schon bald ändern. In einer Studie hat das renommierte Beratungsunternehmen McKinsey der libanesischen Regierung empfohlen, den Anbau von Cannabis «für medizinische Zwecke» zu fördern. Falls gleichzeitig auch noch der Anbau von Avocados verstärkt würde, könnte das hoch verschuldete Land zusätzliche Einkünfte generieren, was zur Sanierung und Diversifizierung der vom Bankensektor abhängigen Wirtschaft beitragen könnte.

Gesamtanbaufläche von rund 5000 Hektaren

Cannabis, wie die Hanfpflanze botanisch heisst, wird seit Jahrtausenden als Arzneimittel eingesetzt, bis es Mitte des 20. Jahrhunderts als Rauschmittel klassifiziert und verboten wurde. Die erneute und verstärkte Nutzung für die Medizin erfolgte Ende des 80er-Jahre mit der Entdeckung des Endocannabinoid-Systems, das die Kommunikation zwischen dem Gehirn und dem menschlichen Körper regelt. Die Basis für ein umfassendes Verständnis der Wirkungsweise der Cannabinoide (Wirkstoffe der Hanfpflanze) war damit gelegt.

Heute wird Cannabis zur Bekämpfung der Krankheitssymptome von multipler Sklerose, Krebs, Aids, Rheuma, Arthritis, Tourette-Syndrom, grünem Star oder auch chronischen Schmerzen eingesetzt. In der Schweiz, Deutschland, Österreich und Luxemburg gibt es Cannabis-Medikamente – etwa als Mundspray, Tabletten sowie auch als getrocknete Blütenblätter zum Rauchen – seit kurzem auch auf Rezept.

Die Nachfrage ist gewaltig. Besonders geschätzt wird Cannabis mit einem hohen THC-Gehalt (Tetrahydrocannabinol), das in der fruchtbaren libanesischen Bekaaebene seit mehr als 300 Jahren ohne Dünger angebaut wird. «Unser Cannabis ist eines der besten der Welt», schwärmte Libanons Handelsminister Raed Khoury, nachdem er die Empfehlungen von McKinsey zur Sanierung der libanesischen Wirtschaft dem Kabinett vorlegt hatte. Rein theoretisch könnte der Libanon sofort mit dem Export von Cannabis für medizinische Zwecke beginnen. Experten schätzen die Gesamtanbaufläche auf 5000 Hektaren. Tendenz steigend. Voraussetzung dafür wäre nicht nur eine staatliche Kontrolle der Anbaugebiete. Es müsste auch geklärt werden, ob mit dem Export von Cannabis zum medizinischen Gebrauch mehr Geld verdient werden könnte als etwa mit der Verarbeitung der Pflanzen zu Haschisch, dem sogenannten «Roten Libanesen».

Den Haschischbauern im Libanon ist es wohl egal, was aus ihren Pflanzen am Ende wird. Wichtig ist, dass der Preis stimmt und ihre Familien genug zum Leben haben.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.