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Handelsstreit zwischen den USA und China: Donald Trump baut Drohkulisse auf

US-Präsident Donald Trump will in den Verhandlungen über ein Handelsabkommen Zugeständnisse von der chinesischen Regierung erzwingen – indem er mit Strafzöllen auf Importen aus China droht.
Renzo Ruf, Washington
Blick auf den Hafen von Schanghai: China ist der weltweit grösste Exporteur von Waren. Bild: Qilai Shen/EPA (11. Mai 2012)

Blick auf den Hafen von Schanghai: China ist der weltweit grösste Exporteur von Waren. Bild: Qilai Shen/EPA (11. Mai 2012)

Er meine es ernst, sagte der Präsident gestern. Amerika habe «während vieler Jahre» im Handel 600 bis 800 Milliarden Dollar «verloren». Allein mit China betrage das Minus 500 Milliarden Dollar, schrieb Donald Trump auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. «Entschuldigung, aber in Zukunft werden wir dies anders handhaben!» Damit bekräftigte Trump seine Forderung, dass die Verhandlungen über ein neues Handelsabkommen zwischen Amerika und China schnell abgeschlossen werden müssten, und dass Peking umfassendere Konzessionen eingehen müsse, damit das Minus in der amerikanischen Handelsbilanz verringert werden könne. Weil der chinesischen Delegation angeblich die Bereitschaft zu solchen Zugeständnissen fehlt, werde Amerika ab Freitag auf fast sämtlichen Einfuhren aus China einen Strafzoll von 25 Prozent verlangen. Dies hatte Trump am Sonntag – zu einem überraschenden Zeitpunkt im Seilziehen zwischen Washington und Peking – auf Twitter verkündet.

Allein: Die Analysten an den amerikanischen Finanzmärkten scheinen der Meinung zu sein, der Präsident stosse leere Drohungen aus. Zwar büsste der Leitindex der Börse in New York gestern zu Handelsbeginn gegen 470 Punkte ein, oder umgerechnet 1,8 Prozent. Innerhalb weniger Stunden erholte sich der Dow Jones Industrial Average allerdings wieder. Gegen 11 Uhr (Lokalzeit), zwei Stunden nach Handelsbeginn, betrug das Minus nur noch 175 Punkte – bevor die «Blue Chips»-Aktien wieder leicht an Terrain einbüssten.

Analysten wittern taktisches Spiel

In ihren Kommentaren sprachen einige Analysten davon, dass es sich bei der von Trump ausgestossenen Drohung um eine Verhandlungstaktik handle, auf die der Präsident bereits mehrmals zurückgegriffen habe. Angesichts der boomenden Volkswirtschaft könne es sich das amerikanische Verhandlungsteam leisten, eine Drohkulisse aufzubauen, um Trumps Ziele zu erreichen und im zwischenstaatlichen Handel ein Gleichgewicht zu schaffen.

Es meldeten sich jedoch auch skeptische Stimmen. Ed Mills, der für den Vermögensverwalter Raymond Jones arbeitet, wies ­darauf hin, dass sich Amerika und China vorige Woche fast geeinigt hätten, Peking in letzter Minute aber von bereits gemachten Zugeständnissen beim erzwungenen Technologietransfer abgerückt sei. Trump sei darüber am Wochenende durch seinen Verhandlungsführer Robert Lighthizer informiert worden und habe daraufhin keine andere Wahl gehabt, als Druck auf China aufzusetzen.

Chinesische Delegation umfasst fast 100 Personen

Andererseits läuft Trump Gefahr, dass die chinesische Führung diese Druckversuche ignoriert. Denn Peking weiss, dass der Präsident auf gute ökonomische Nachrichten angewiesen ist, will er im kommenden Jahr wiedergewählt werden will. Aktuelle Umfragen deuten darauf hin, dass selbst skeptische Wähler Trump zugutehalten, dass er die Konjunktur auf Trab hält. Ein Scheitern der Handelsgespräche, und eine Eskalation des Konfliktes mit China hätte zweifelsohne negative Auswirkungen auf die Volkswirtschaften beider Staaten. Davon wären natürlich auch Trump-Wähler betroffen, die wegen der Strafzölle bereits jetzt mehr für Produkte aus China bezahlen und darunter leiden, dass China gewisse amerikanische Produkte und Erzeugnisse boykottiert.

Sämtliche Kommentatoren verwiesen gestern darauf, dass Peking weiterhin mit der Fortsetzung der Gespräche rechne. Die entsprechende chinesische Delegation, die gegen 100 Teilnehmer umfasst, wird zu Wochenmitte in Washington erwartet. Sollte Vizepremier Liu He die Reise nach Washington absagen, dann würden wohl in Amerika die Alarmglocken läuten.

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