Kommentar

Gutes Zeichen für die Schweiz: Der deutsche Sterbehilfeentscheid und seine Auswirkungen auf den Sterbetourismus

Deutsche können wieder im eigenen Land Sterbehilfe in Anspruch nehmen. Das hilft auch der Schweiz.

Samuel Schumacher
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Die Aufhebung des Sterbehilfe-­Verbots in Deutschland ist gut für den Ruf der Schweiz. Durch den Entscheid gesellt sich Deutschland zu Holland, ­Belgien, Luxemburg und der Schweiz, wo Sterbehilfe bislang schon legal war. Einzig die Schweiz hatte es in den vergangenen Jahren aber auch ausländischen Sterbewilligen möglich gemacht, sich ihren letzten Wunsch durch passive Sterbehilfe zu erfüllen.

Samuel Schumacher

Samuel Schumacher

Zwischen 2000 und 2017 stieg die Zahl der Sterbetouristen von wenigen Dutzend auf rund 200 an. In England wird der Begriff «Going to Switzerland» als Synonym für assistierten Suizid verwendet.

Das liberale Sterbehilfemodell hat der Schweiz immer wieder Kritik eingebracht und sogar eine literarische Klatsche abgesetzt. Der französische Autor Michel Houellebeqc liess die Figuren im Roman «Karte und Gebiet» einen Dignitas-Mitarbeiter verprügeln und sagte, was die Schweiz mache, sei Mord.

Rund die Hälfte der ausländischen Sterbewilligen, die für ihre letzte Reise in die Schweiz kamen, waren Deutsche. Durch die Aufhebung des Sterbehilfeverbots wird die weite Reise für sie in Zukunft nicht mehr nötig sein.

Der Sterbetourismus in die Schweiz wird abnehmen, ohne dass das liberale Schweizer Modell Schaden nimmt. Dem Ruf der Alpenrepublik kann das nur guttun.