Guineas Armee richtet Blutbad an

Soldaten schlagen Protest gegen Militärmachthaber nieder. Über 150 Menschen sollen getötet worden sein. In den Spitälern der Hauptstadt Conakry liegen mehr als 1000 Verletzte.

Marc Engelhardt
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Dieses Fernsehbild aus Conakry zeigt, wie mehrere Soldaten einen Demonstranten festhalten und andere auf ihn einprügeln. (Bild: rtr-tv)

Dieses Fernsehbild aus Conakry zeigt, wie mehrere Soldaten einen Demonstranten festhalten und andere auf ihn einprügeln. (Bild: rtr-tv)

Nairobi. Es begann als friedlicher Massenprotest und endete in einem Horror. «Noch bevor die Oppositionsführer zur versammelten Menge sprechen konnten, hatten Soldaten das Feuer eröffnet», berichtet ein Augenzeuge von dem Ereignis in Stadion der Hauptstadt Conakry am Montag. «Sie haben mitten in die Menge gezielt, wir alle rannten in Panik um unser Leben.»

Frauen misshandelt

Flüchtende seien mit Bajonetten erstochen worden, viele Leichen waren von Kugeln förmlich durchsiebt. «Soldaten einer Spezialeinheit haben Frauen die Kleider vom Leib gerissen und ihnen in die Genitalien getreten», zitiert die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch einen Zeugen. «Andere Frauen wurden in Armeelastwagen verschleppt.»

Mindestens 157 Tote hat der Menschenrechtler Thiemo Maadjou Sow in den Spitälern Conakrys gezählt, dazu kämen mehr als 1250 Verletzte. «Die Zahl wird vermutlich weiter steigen, denn die Toten im Stadion sind noch nicht erfasst.» «Meine Krankenstation sieht aus wie ein Schlachthaus», stöhnt ein Arzt im Universitätsspital Donka.

Camara betroffen

Der Chef der Militärregierung, Moussa Dadis Camara, gegen den sich die Proteste gerichtet hatten, sagte gestern, er sei betroffen. Schuldig seien Elemente innerhalb der Armee, die «ausser Kontrolle» geraten seien.

«Selbst ich als Präsident kann sie kaum kontrollieren.» Camara, der sich Ende vergangenen Jahres nach dem Tod des über 24 Jahre regierenden Despoten Lansana Conté an die Macht geputscht hatte, steht in der Kritik, seit er angedeutet hat, in den für Januar geplanten Präsidentschaftswahlen zu kandidieren. Das Massaker zerstört nun das von ihm mühsam aufgebaute Bild eines «guten Putschisten».

Da spielt es keine Rolle mehr, dass Camara von Diktator Conté geduldete Drogenringe zerschlug und frühere Stützen des Regimes zu live ausgestrahlten Geständnissen im Fernsehen zwang. Der jüngste Gewaltexzess steht in unguter Tradition des Militärs in Guinea: 2007 hatten Soldaten auch Proteste gegen Diktator Conté blutig niedergeschlagen.

Anschlag auf die Opposition

«Das war nichts anderes als ein gezielter Versuch, die Opposition im Land zu eliminieren», sagte im Spital der prominente Oppositionsführer und frühere Premier des westafrikanischen Landes, Sidya Touré.

«Sie haben bewusst auf die Leute gezielt und versucht, uns alle umzubringen.» Die Lage in Conakry blieb gestern angespannt. Lokale Journalisten berichteten von erneuter Gewalt und Plünderungen.

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