Grosscousin Bashar al-Assads vor Militärgericht

DAMASKUS. Nach den tödlichen Schüssen auf einen hochrangigen Luftwaffenoffizier ist gestern ein Verwandter des syrischen Diktators Bashar al-Assad festgenommen worden.

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DAMASKUS. Nach den tödlichen Schüssen auf einen hochrangigen Luftwaffenoffizier ist gestern ein Verwandter des syrischen Diktators Bashar al-Assad festgenommen worden.

Nach einem Bericht der regierungsnahen Webseite «The Arab Source» wurde Sulaiman Hilal al-Assad auf einer Farm in einem Vorort von Latakia verhaftet. Die Mittelmeermetropole ist eine Hochburg des Assad-Regimes und gehört zum Kerngebiet der syrischen Alawiten, denen der Präsidentenclan angehört.

Arroganz der Macht

Der Grosscousin des Diktators habe keinen Widerstand geleistet. Als Mitglied der «Nationalen Verteidigungsstreitkräfte» müsse sich Sulaiman Hilal al-Assad vor einem Militärgericht verantworten, das ihn wegen Mordes zum Tode verurteilen könnte.

Sulaiman soll am Donnerstagabend den Offizier Hassan al-Sheikh erschossen haben. Dieser hatte den Verwandten des Präsidenten mit seinem Wagen überholt. Der 19-Jährige betrachtete das Manöver als eine Provokation, stoppte den Landrover von al-Sheikh und schoss ihn mit seiner Kalaschnikow viermal in den Kopf.

Keine Gnade des Diktators

Laut «The Arab Source» beharrt der junge Assad auf seiner Unschuld. Allerdings sassen die Kinder des Ermordeten zum Tatzeitpunkt in dem Wagen und können den mutmasslichen Mörder einwandfrei identifizieren.

Nach Informationen der Regierungszeitung «Al Watan» soll Präsident Assad der Witwe des ermordeten Offiziers persönlich versichert haben, den Schuldigen zu Rechenschaft zu ziehen. Der Syrien-Experte Fawaz Gerges sieht Präsident Bashar al-Assad nach der Bluttat seines jungen Verwandten auch politisch unter Druck. Ein Wegschauen oder eine Einstellung der Verfahrens könne er sich nicht leisten. Zumindest ein Prozess gegen seinen Grosscousin Sulaiman sei daher sehr wahrscheinlich. (M.Wr.)