Griechenlands Banken am Tropf

Griechische Bankenaktien haben gestern an der Börse in Athen um über 20 Prozent zugelegt. Anleger haben damit ihren Optimismus ausgedrückt, dass bald eine Einigung im Streit um die griechischen Staatsschulden erzielt wird. Rosig ist die Situation der Geldinstitute aber keineswegs.

Fabian Fellmann/Brüssel
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Griechische Bankenaktien haben gestern an der Börse in Athen um über 20 Prozent zugelegt. Anleger haben damit ihren Optimismus ausgedrückt, dass bald eine Einigung im Streit um die griechischen Staatsschulden erzielt wird. Rosig ist die Situation der Geldinstitute aber keineswegs. Noch Ende vergangenen Jahres schienen sie auf dem aufsteigenden Ast und waren an die internationalen Finanzmärkte zurückgekehrt. Doch der monatelange Streit über die Staatsschulden nach Antritt der Syriza-Regierung hat das Bankensystem wieder an den Rand des Kollapses geführt.

In den vergangenen Wochen haben Sparer täglich mehr als eine Milliarde Euro von ihren Konti abgehoben, Tempo zunehmend. Schon nach Amtsantritt von Premier Alexis Tsipras sind die Spareinlagen bis Mitte April um über zehn Prozent geschrumpft. Das zeigt nicht nur, dass die Sparer wenig Vertrauen in ihre Banken und ihre Regierung haben. Es bringt die Banken vor allem in akute Engpässe bei der Bargeldversorgung.

EZB entscheidet über neues Geld

Laut Medienberichten rücken einzelne Institute darum derzeit nur noch maximal 3000 Euro pro Tag heraus. Gleichzeitig muss die griechische Zentralbank in stets kleineren Abständen neues Bargeld ins System pumpen. Jedoch entscheidet die Europäische Zentralbank (EZB) über die Obergrenze dieser Liquiditätshilfe. Gestern hat der EZB-Rat in einer Telefonsitzung zum drittenmal seit letztem Mittwoch die Limite angehoben, in den nächsten Tagen will er die Situation täglich überprüfen. Die EZB will verhindern, dass sie den Banken wegen Formalien den Geldhahn zudreht, während die Verhandlungen über eine Lösung für den Schuldenstreit andauern.

Gleichzeitig will die EZB die Nothilfe aber nicht unbegrenzt fliessen lassen. Denn die Währungshüter in Frankfurt verlängern die Rettungsleine für die Banken, obwohl diese keine genügenden Sicherheiten für die Liquiditätshilfe mehr hinterlegen können. Damit steigt das Risiko eines Kreditausfalls, was EZB-Präsident Mario Draghi vor allem in Deutschland Kritik eingetragen hat.

Sollten die griechische Regierung und ihre Geldgeber bis Ende Woche eine Einigung finden, dürfte sich die Situation der griechischen Banken wieder normalisieren.

Kontrolle des Kapitalverkehrs?

Andernfalls wird sich die Regierung wohl gezwungen sehen, Kapitalverkehrskontrollen einzuführen. Dann würden die bereits angewandten informellen Bezugslimiten für Bargeld in Banken und an Geldautomaten staatlich vorgeschrieben.

Zypern musste vor zwei Jahren zu diesem Mittel greifen, um zu verhindern, dass Sparer ihr Geld ins Ausland verlegen und das Bankensystem implodiert. Aufgehoben wurden die Einschränkungen im Geldverkehr erst im April.