Grenzsicherung
Die Dominikanische Republik plant eine Mauer durch die Karibik - nach Donald Trumps Vorbild

An der 400 Kilometer langen Grenze zu Haiti soll eine Befestigung entstehen, um illegale Einwanderung und Drogenhandel zu stoppen.

Klaus Ehringfeld aus Mexiko-Stadt
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Im Bau: Die Mauer zwischen der Dominikanischen Republik und Haiti.

Im Bau: Die Mauer zwischen der Dominikanischen Republik und Haiti.

AP

Jeden Morgen, wenn die Tore an den vier Grenzpunkten zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik geöffnet werden, strömen Tausende Haitianer in das Nachbarland. Es sind meist Tagelöhner, die in der Landwirtschaft und als Haushaltshilfe arbeiten oder sich als fliegende Händler verdingen. In der Dominikanischen Republik verdienen Haitianer mehr als daheim, wo es zudem kaum Arbeit gibt. Haiti ist eines der ärmsten Länder der Welt und Schauplatz politischer Konflikte zwischen Regierung und Opposition, die sich oft in gewaltsamen Protesten niederschlagen.

In den kleinen Grenzverkehr zwischen den ungleichen karibischen Nachbarn mischen sich nach Ansicht der dominikanischen Regierung jedoch zunehmend Kriminelle – Entführer, Diebe und Drogenhändler. Daher will Präsident Luis Abinader eine Mauer oder einen Zaun entlang der knapp 400 Kilometer langen Grenze bauen. «Wir wollen der illegalen Einwanderung, dem Drogenhandel und dem Schmuggel gestohlener Fahrzeuge ein Ende setzen. Seit Langem leiden wir unter diesen Problemen», sagt Abinader.

Kosten von 100 Millionen Dollar erzürnen das Volk

In der Dominikanischen Republik mit seinen knapp elf Millionen Einwohnern leben knapp 800000 haitianische Einwanderer und Flüchtlinge. Nur wenige haben eine Aufenthaltserlaubnis. Massenabschiebungen sind an der Tagesordnung. Seit Beginn des Jahres hat die Armee rund 40000 Haitianer aufgegriffen, die versuchten, über die grüne Grenze in die DomRep zu gelangen.

Der Bau des Grenzwalls zwischen den beiden Staaten, die sich die Insel Hispaniola teilen, soll in der zweiten Jahreshälfte beginnen und binnen zwei Jahren fertiggestellt sein. Abinader denkt dabei offenbar an eine High-Tech-Sicherung in einer der ärmsten Regionen der westlichen Hemisphäre. Bewegungssensoren, Radargeräte und Infrarotkameras sind geplant. Veranschlagte Kosten: 100 Millionen Dollar.

Experten sind angesichts des Vorhabens entsetzt, die dominikanische Bevölkerung zum Teil verständnislos. «Solange unsere Regierung nicht mal die Spitäler zu Ende baut sollen sie kein Geld in eine Mauer nach Haiti stecken», erzürnt sich eine Einwohnerin von Dajabón, einer Grenzstadt im Norden des Landes.

Haitianer müssen als «Sündenböcke» herhalten

Die karibische Mauer auf Hispaniola solle dem Beispiel der Trumpschen Mauer an der Grenze zwischen der USA und Mexiko folgen, was «schlecht ankommt», kritisiert der Soziologe Juan Miguel Pérez von der Universität UASD in der Hauptstadt Santo Domingo. Aber die Haitianer müssten in der DomRep traditionell als «Sündenbock» für alles herhalten, was in dem Land schlecht laufe, betont Pérez.

Haiti und die DomRep trennt viel – die Kolonialgeschichte, die Sprache, die Armut und die Einwanderung. Während die Dominikanische Republik durch den Tourismus, die Lohnveredelungsbetriebe für US-Firmen und durch die Migration von Millionen Dominikanern in die USA zu einem bescheidenen Wohlstand kam, hat Haiti den Weg aus der Armut nie gefunden. Naturkatastrophen wir das Erdbeben von 2010 haben ihren Teil zu der Situation in der früheren französischen Kolonie beigetragen.

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