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Kardinal Pell drohen wegen Kindesmissbrauchs 50 Jahre Haft

Das Urteil gegen Kardinal George Pell wegen Kindesmissbrauchs hat unter Konservativen zu Entrüstung geführt. Viele verehren den rechten Hardliner als Helden.
Urs Wälterlin, Canberra
Der verurteilte Kardinal George Pell. (Bild: David Crosling/EPA, Melbourne, 26. Februar 2019)

Der verurteilte Kardinal George Pell. (Bild: David Crosling/EPA, Melbourne, 26. Februar 2019)

Kaum war das Urteil gegen Kardinal George Pell bekannt, klingelte beim einst höchsten Vertreter der katholischen Kirche in Australien das Telefon. Am Apparat war der frühere Premierminister Tony Abbott. Der konservative Politiker sprach seinem moralischen Vorbild und Ziehvater sein Vertrauen und seine weitere Unterstützung aus. Wenig später attestierte Ex-Premierminister John Howard dem nun verurteilten Pädophilen in einem Brief an das Gericht hohe Intelligenz und «einen exemplarischen Charakter». In den konservativen australischen Medien hat die Kritik am Urteil bis heute nicht abgerissen.

Mit Pell, Kurienkardinal und ehemaliger Finanzverantwortlicher des Vatikans, ist der bisher ranghöchste Vertreter der katholischen Kirche wegen Kindsmissbrauchs verurteilt worden. 1996 hat sich der damalige Erzbischof im Anschluss an eine Messe in der Kathedrale von Melbourne an zwei 13-jährigen Chorknaben vergangen. So sieht es das Gericht als erwiesen an. Pell weist die Vorwürfe vehement zurück und hat Berufung gegen das Urteil eingelegt. Seit gut einer Woche sitzt der Kardinal in Haft. An diesem Mittwoch soll das Strafmass bekanntgegeben werden. Dem 77-Jährigen drohen bis zu 50 Jahre Gefängnis.

Für die politisch und gesellschaftlich starke Rechte war und bleibt der Kardinal eine Art Feldmarschall, der im Namen Gottes und der Moral gegen progressive Strömungen das Schwert führt. Im Gegensatz zu anderen Geistlichen in Australien hat Pell nie Zweifel daran gelassen, wo er politisch steht: streng rechts, konservativ, sozial regressiv. «Als Erzbischof pumpte er seine Energie in die Bekämpfung der Empfängnisverhütung, Genmanipulation, Scheidung und Abtreibung. Er baute seine Karriere damit auf, gegen Sex zu predigen», sagt David Marr. Der bekannte australische Journalist verfolgt den Aufstieg von Pell seit Jahren und hat ein Buch über den Gottesmann geschrieben.

Pell habe den «Krieg gegen Sex und sexuelle Freiheit geführt, während er selber Kinder missbrauchte», so Marr. Der Gottesmann sei «besonders brutal gegen Homosexuelle gewesen». Homosexualität sei eine «grössere Gefahr für die Gesundheit als Rauchen», habe Pell behauptet. Als an der Kathedrale in Melbourne ein Kranz niedergelegt wurde für junge homosexuelle Studenten, die sich aus Scham und als Folge der Verurteilung durch die Kirche das Leben genommen hatten, «war Pell’s Abscheu absolut», so Marr. Pell predigte mit donnernder Stimme gegen die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Doch gegen jahrelangen, massiven Widerstand von Seite konservativer Politiker wurde sie in Australien nach einer Volksbefragung 2017 eingeführt.

Auch in Sachen Klimapolitik nahm Pell mit seinem ideologischen Feldzug eine führende Rolle ein. Der Geistliche ist ein Gegner jeglicher Massnahmen gegen vom Menschen verursachten Klimawandel – eine wissenschaftliche Tatsache, die er bis heute kategorisch abstreitet. Mit seiner Haltung sprach er führenden Klimaleugnern in Australien aus dem Herzen – sie sahen sich moralisch legitimiert. Das hatte und hat bis heute Einfluss auf die Politik. Als Tony Abbott 2013 Premierminister wurde, schaffte er als erstes eine von der Vorgängerregierung eingesetzte CO2-Steuer ab. Seither steigen in Australien die Emissionen wieder. Auch unter dem gegenwärtigen Premierminister Scott Morrison wehrt sich die konservative Regierung gegen jegliche wirksamen Massnahmen der Emissionskontrolle.

Bei Papst Franziskus stiess Pell mit seinen streng konservativen Positionen auf wenig Verständnis. Der Pontifex, der den Kampf gegen den Klimawandel als «wichtige moralische Verantwortung» sieht und eine Wende hin zu erneuerbaren Energien fordert, warf den australischen Kurienkardinal im letzten Jahr kurzerhand aus der Gruppe der päpstlichen Klima-Berater.

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