Gordon Brown unter Druck

Nach der Schlappe in den Kommunalwahlen im Mai hat die britische Labour Partei von Premier Gordon Brown ein weiteres Debakel erlitten: In Nachwahlen in Crewe und Nantwich setzte sich der Kandidat der Tories, Edward Timpson, durch.

Sebastian Borger/London
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Erfolgskandidat von Crewe: Edward Timpson von der konservativen Tory-Partei siegte gegen die Labour-Partei-Kandidatin Tamsi Dunwoody. (Bild: rtr/Nigel Roddis)

Erfolgskandidat von Crewe: Edward Timpson von der konservativen Tory-Partei siegte gegen die Labour-Partei-Kandidatin Tamsi Dunwoody. (Bild: rtr/Nigel Roddis)

Die Autorität des britischen Premiers ist schwer beschädigt. Erstmals haben gestern Parteifreunde den Rücktritt des 57jährigen Labour-Vorsitzenden gefordert, der vor knapp einem Jahr unangefochten sein Partei- und Staatsamt angetreten hatte. Oppositionsführer David Cameron sprach vom «Ende für New Labour». Obwohl Nachwahlen selten die Machtverhältnisse im Parlament verändern, gelten sie als wichtiges Stimmungsbarometer für die Regierung.

Tories erobern Labour-Sitz

Der Urnengang im mittelenglischen Eisenbahn-Knotenpunkt Crewe war durch den Tod der ältesten Labour-Abgeordneten Gwyneth Dunwoody, 77, notwendig geworden. Sie hatte den Sitz 34 Jahre lang für Labour verteidigt, zuletzt mit über 7000 Stimmen Mehrheit. Diesmal hatte die Labour-Kandidatin, Dunwoodys Tochter Tamsin, keine Chance: Am Ende lag der Tory-Kandidat Edward Timpson mit knapp 8000 Stimmen vorn. Zum ersten Mal seit 30 Jahren eroberten die Konservativen in Nachwahlen einen Labour-Sitz. Und wie 1978 spricht auch diesmal vieles dafür, dass die Tories die spätestens in zwei Jahren anstehenden allgemeinen Unterhauswahlen gewinnen.

In Umfragen liegt Labour regelmässig mindestens zehn Prozent hinter der grössten Oppositionspartei; auf die Frage nach dem «besten Premier» nennen 46 Prozent Tory-Chef Cameron, nur 23 Prozent den Amtsinhaber Brown.

Unverdrossen behauptete der Schotte Brown gestern, er könne «Grossbritannien durch wirtschaftlich schwierige Zeiten führen». Daran haben Fraktionskollegen und Labour-Anhänger jedoch Zweifel. «Wir brauchen einen radikalen Politikwechsel», glaubt Linksaussen John McDonnell. «Wir sollten ein bisschen mutiger sein und uns auch einmal Feinde machen», fordert der loyale Hinterbänkler John Grogan und bläst zum Gefecht gegen exorbitante Bonus-Zahlungen für Banker und Industrielle. Die Regierung müsse «mehr tun für die klassische Labour-Klientel», sagt Rachael Jolley vom Thinktank Fabians.

Instinktive Solidarität

Ob es damit getan wäre? Schon rufen einzelne Abgeordnete wie Graham Stringer das Kabinett offen zur Rebellion auf: Partei und Regierung bräuchten einen neuen Chef. «Die Labour-Party», sagt Hinterbänkler Nick Palmer, «steht instinktiv für kollektive Solidarität mit ihrem Führungspersonal. Das unterscheidet uns von den Tories, die ihre Leute bei Misserfolg sofort auswechseln.»

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