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Gorbatschow, Erneuerer der Welt

Europa verehrt ihn als Held der Freiheit, Russland schmäht ihn als Totengräber der Sowjetmacht. Vor 25 Jahren wurde Michail Gorbatschow Chef der KPdSU, um mit Offenheit (Glasnost) den Kommunismus umzubauen (Perestroika).
Walter Brehm
Michail Gorbatschow spricht nach einer Ehrung für seine Verdienste in der Semperoper in Dresden. (Bild: ap/Matthias Rietschel)

Michail Gorbatschow spricht nach einer Ehrung für seine Verdienste in der Semperoper in Dresden. (Bild: ap/Matthias Rietschel)

«Euch steck ich alle in die Tasche.» Dies hat Michail Gorbatschow im Oktober 1981 im Zentralkomitee den Apparatschiks der Kommunistischen Partei der Sowjetunion zugerufen. Es war eine zutreffende Vorhersage – und ein historischer Irrtum.

Aufstieg und Fall

Am 11. März 1985 wurde der damals 54jährige Gorbatschow Generalsekretär der KPdSU, nachdem der Sowjetunion mit Leonid Breschnew, Juri Andropow und Konstantin Tschernenko in nur zwei Jahren drei ihrer greisen Führer weggestorben waren.

Gorbatschow schien am Ziel – und stand doch erst am Anfang eines weltverändernden Weges.

Im August 1991 war der Weg zu Ende. Ein letztes Aufgebot alter Stalinisten putschte gegen Gorbatschow. Sie scheiterten zwar am Widerstand von Boris Jelzin, dem damaligen Präsidenten der Sowjetrepublik Russland. Doch der rettete Gorbatschow nur, um ihn und die UdSSR im Orkus der Geschichte zu entsorgen. Gorbatschow trat am 25. Dezember 1991 als Staats- und Parteichef zurück, die Sowjetunion wurde aufgelöst.

Ein langer Weg in kurzer Zeit

In nur sieben Jahren hat Gorbatschow die Welt in beispielloser Art umgebaut. In Afghanistan beendete er den letzten imperialen Feldzug der Roten Armee. In Berlin liess er den Fall der Mauer zu – ermöglichte Deutschland und Europa den Kalten Krieg zu überwinden. Erich Honecker, dem altersstarrsinnigen Staats- und Parteichef der DDR, soll Gorbatschow das Ende des realexistierenden Sozialismus auf deutschem Boden mit den Worten vorhergesagt haben: «Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.»

Ein Weltstar und ein Verlierer

Für die Menschen im Westen war Michail Gorbatschow 1989 auf dem Höhepunkt seiner Karriere, die jene des alternden Hollywoodstars Ronald Reagan im Weissen Haus zu Washington bei weitem überstrahlte. Die Welt war dank Gorbatschow eine andere geworden

In seiner Heimat allerdings scheiterte Gorbatschow auf der ganzen Linie. Er hatte den Menschen mit Offenheit (Glasnost) den Umbau (Perestroika) des kommunistischen Systems versprochen.

Doch das Bestreben, dem sowjetischen Kommunismus 30 Jahre nach der Niederschlagung des «Prager Frühlings» ein menschliches Antlitz zu verleihen, erwies sich als unmöglich. Gorbatschow war vielleicht selber zu spät gekommen, auf alle Fälle hatte er die Reformfähigkeit des Kommunismus grundlegend falsch eingeschätzt.

Der Homo Sovieticus liess sich nicht noch einmal für ein politisches Experiment einspannen. Kräfte wie Freiheit, Konkurrenz und Leistung mobilisierten nicht sozialistische Reformkräfte.

Statt einer Sozialdemokratisierung, wie sie Gorbatschow vorgeschwebt hatte, öffneten skrupellose Wendehälse aus den alten Eliten Russland einem zügellosen Wildwest-Kapitalismus.

Rückkehr der alten Methoden

Wenige wurden sehr schnell sehr reich. Viele verarmten, der Freiheit und der Konkurrenz entwöhnt. Wladimir Putin, ein ehemaliger Sowjet-Geheimdienstler, versprach Heilung in einer unheilvollen Verquickung der regellosen Wirtschaft mit altbekannter staatlicher Allmacht. Die neue Demokratie wurde eine gelenkte.

Gorbatschows Vision einer solidarisch-freiheitlichen Gesellschaft ist bei der Mehrheit der Russen bis heute nicht angekommen. Sein Drama ist: Die Menschen machen ihn und nicht die neuen Herrscher mit den alten Methoden dafür verantwortlich.

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