GOLFKRISE: Saudi-Arabien setzt auf Eskalation

Während die USA und einige islamische Staaten im Streit um Katar vermitteln wollen, rufen saudische Staatsmedien zu einem Putsch in dem Emirat am Persischen Golf auf.

Michael Wrase, Limassol
Drucken
Teilen
Wolkenkratzer in Katars Hauptstadt Doha. (Bild: Sean Gallup/Getty)

Wolkenkratzer in Katars Hauptstadt Doha. (Bild: Sean Gallup/Getty)

Michael Wrase, Limassol

Mit einem Anflug von Sarkasmus haben arabische Kommentatoren auf die Ankündigung von Donald Trump reagiert, sich als Vermittler im Streit um Katar einzuschalten. Die Absichtserklärung des US-Präsidenten sei zwar lobenswert, sagte der Mitarbeiter eines Strategieinstitutes in Dubai, der ungenannt bleiben wollte. Allerdings könne man nicht davon ausgehen, dass Trump über genügend Insiderwissen sowie die notwendige Geduld verfüge, um den Dauerkonflikt zwischen Riad und Doha nachhaltig zu entschärfen.

Es sei Trump selbst gewesen, der während seines Besuchs in Riad mit seiner kritiklosen Unterstützung der saudischen Nahoststrategie die Herrschenden des Wüstenkönigreiches erst zu ihrem offensiven Vorgehen gegenüber Katar inspiriert habe, kommentierte ein europäischer Diplomat in Abu Dhabi die schwere Krise auf der Arabischen Halbinsel. Auch der milliardenschwere Waffendeal mit Riad dürfte von den saudischen Empfängern nicht als Signal zu einem friedlichen Dialog aufgefasst worden sein. Dennoch müssten jetzt alle Parteien den Bemühungen um Entspannung «zwischen Brüdern» eine Chance geben, forderte Scheikh Sabah al-Salim al Sabah. Der Emir von Kuwait bat die Herrschenden in Katar eindringlich darum, auf den saudischen Strafkatalog nicht mit Gegenmassnahmen zu antworten. Nur so könne eine weitere Eskalation verhindert werden.

Katar bemüht sich um Schadensbegrenzung

Dazu scheint Katar wohl auch bereit. Die Regenten des Emirates sind ganz offensichtlich um Schadensbegrenzung bemüht. Sich Saudi-Arabien vollständig unterwerfen, wie dies das Königreich Bahrain getan hat und es von Riad anstrebt wird, möchte sich Katar freilich nicht. Das reichste Land der Welt kennt die Forderungen der Saudis seit langem: Es ist der vollständige Bruch mit der Muslimbrüderschaft, deren «islamische Demokratie» von den Königen und Emiren in Bahrain, Riad und Abu Dhabi als existenzielle Bedrohung angesehen wird.

Zudem soll der Fernsehsender Al Jazeera aufhören, über die «Aktivitäten von Staatsfeinden» zu berichten. Dieser Vorwurf richtet sich auch auf die Berichterstattung des international bekannten TV-Senders während des Arabischen Frühlings, als Al Jazeera in Echtzeit über die Proteste im Maghreb und auf der Arabischen Halbinsel berichtete.

Im Kern geht es Riad um nichts anderes als um die totale Kontrolle der arabischen Medien. Schon jetzt kontrollieren die Saudis die wichtigsten arabischen Tageszeitungen und – mit Ausnahme von Al Jazeera – alle grossen TV-Sender. Mit dem medialen Schutzwall soll eine negative Berichterstattung über das Königreich verhindert und gleichzeitig sichergestellt werden, dass das antiiranische Denken der Saudis in den Köpfen der meisten Araber nachhaltig manifestiert wird. Ein Ausgleich mit Teheran, wie ihn Katar anstrebt, grenzt in den Augen Riads an Hochverrat.

Saudi-Arabien schliesst Kompromisse aus

Kompromisslösungen mit Doha schliesst das saudische Könighaus im Moment zumindest aus. Diesen Eindruck gewinnt man nach einem Blick in die saudischen Staatsmedien. Unter der Überschrift «Fünf Staatsstreiche in 46 Jahren – der sechste Coup wahrscheinlich» ermunterte die vielgelesene Tageszeitung «Al Riyad» am Montag Mitglieder der katarischen Herrscherfamilie Al Thani zur Entmachtung des erst 35 Jahre alten Emir Tamin ibn Hamid al Thani. Ein einflussreicher Zweig der Al Thanis, so behauptet die Zeitung, hätte mit dem jungen Herrscher bereits gebrochen und bereite mit Unterstützung des Militärs einen Machtwechsel vor.

Es wäre nicht der erste, sondern der sechste Putsch in dem winzigen Emirat am Persischen Golf: 1995 hatte der Vater des amtierenden Emir seinen Vater abgesetzt, als sich dieser zu einem Gesundheitscheck in Genf aufhielt. Sein Amtsvorgänger war 1972, ein Jahr nach der Unabhängigkeit von Grossbritannien, an die Macht gekommen, nachdem er seinen Onkel aus dem Palast gejagt hatte. Die Machtwechsel in Doha verliefen – bislang – ohne Blutvergiessen.