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Goldrausch im Japanischen Meer

Eine südkoreanische Firma will das sagenumwobene altrussische Kriegsschiff Dmitri Donskoi entdeckt haben. Im Wrack soll ein Schatz von knapp 130 Milliarden Franken liegen.
Angela Köhler, Tokio
Der Panzerkreuzer «Dmitri Donskoi» (Bild: PD)

Der Panzerkreuzer «Dmitri Donskoi» (Bild: PD)

Fast 5500 Eisenkisten sollen in dem Wrack liegen, prall gefüllt mit Gold aus der Kriegskasse des russischen Zaren. 113 Jahre war der Panzerkreuzer Dmitri Donskoi verschollen, wahrscheinlich gesunken am 29. Mai 1905 nach der Seeschlacht von Tsushima gegen Japans kaiserliche Marine.

Nun will die in Südkorea registrierte Firma Shinil Group das Wrack aufgespürt haben, im Japanischen Meer nahe der Insel Ulleungdo vor der Küste Südkoreas. Publik gemacht wurde der sensationelle Fund vor wenigen Tagen im Youtube-Kanal des Unternehmens und von der in Hongkong erscheinenden Zeitung «South China Morning Post».

Ein Crew-Mitglied des internationalen Teams mit Tauchern aus Südkorea, China, Kanada und Grossbritannien berichtet, dass der Rumpf des Schiffes offenbar durch heftige Explosionen auseinandergeborsten ist und auch das Heck gebrochen sei. Deck und die Seitenwände wären jedoch so gut erhalten, dass man das Wrack mit grosser Sicherheit identifizieren könnte. Videoaufnahmen zeigten neben Kanonen auch einen Anker und den Namen des Schiffes in kyrillischen Buchstaben.

Tödlich verwundeter Kapitän befiehlt, Schiff zu versenken

Um die «Dmitri Donskoi» ranken sich seit der Seeschlacht viele Mythen und Legenden. Eine davon besagt, dass der tödlich verwundete Kapitän Iwan Lebe­djew selbst die Anweisung gab, den Panzerkreuzer zu versenken, damit das angeschlagene Kriegsschiff nicht in die Hände des Feindes Japan fällt, das kurz darauf den russisch-japanischen Krieg endgültig für sich entschied.

Die «Dmitri Donskoi» fuhr am Ende der russischen Flotte gewissermassen als «schwimmender Safe». Sie hatte die Aufgabe, mit dem Gold Treibstoff, Hafenkosten und die Löhne der Besatzung zu zahlen. Die auf der Flucht nach Wladiwostok gesunkene Festung soll etwa 5500 Kisten mit angeblich 200 Tonnen Goldbarren und Münzen mit in die Tiefe gerissen haben. Nach heutigen Preisen würde der vermeintliche Schatz mehr als 110 Milliarden Euro wert sein.

Allerdings gibt es wie bei jeder Spekulation auch erhebliche Zweifel. Zum einen ist nicht sicher, dass der russische Zar im Fernen Osten 1905 noch über ­solche Reichtümer verfügte. Schliesslich ist auch einzukalkulieren, dass der 1883 gebaute Panzerkreuzer zusammen mit dem an Bord befindlichen Kriegsgerät dann schätzungsweise 6000 Tonnen gewogen haben muss.

Seoul ist nicht erfreut über den Fund

In Seoul ist man überhaupt nicht glücklich über diesen Goldrausch im Japanischen Meer, wo weder der geografische Name noch die genaue Grenzziehung unumstritten ist. Südkoreas Medien zufolge ist die Lage des Wracks ohnehin schon seit 15 Jahren bekannt und soll 2003 durch das staatliche Korea Institute of Ocean Science and Technology (Kiost) entdeckt worden sein.

Ein Mitarbeiter dieses Instituts hält die Behauptung der Shinil Group deshalb für anmassend und lächerlich. «Wir haben damals schon Fotos veröffentlicht, was beweist, dass die Entdeckung nicht neu ist.» Zudem habe Shinil unautorisiertes Material von Kiost verwendet und sich den Fundort mit dessen Erkenntnissen quasi erschlichen. Dessen ungeachtet wollen die privaten Schatzsucher demnächst eigene Beweise vorlegen und den genauen Fundort lokalisieren. Auch um eine amtliche Bergungsgenehmigung wurde bereits nachgesucht.

Nach bisherigen Angaben ruht das Wrack in rund 430 Meter Tiefe. Shinil kündigt an, es schon im Herbst heben zu wollen, und bietet Moskau an, den Schatz zu teilen. Ein Grossteil des zu ­erlösenden Geldes soll für ein Eisenbahntrassee verwendet werden, die Russland über Nordkorea mit Südkorea verbindet. Jedoch wird ungeachtet dieser ­Verteilungsabsicht von Shinil in russischen Medien schon die Rückgabe des gesamten Schatzes gefordert.

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