Globales Problem Atommüll

Die Entsorgung von Atommüll ist nicht nur in Deutschland ein heikles Thema. Eine Übersicht.

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Warnschild in Gorleben. (Bild: dapd)

Warnschild in Gorleben. (Bild: dapd)

Allein in der Europäischen Union betreiben 14 Staaten etwa 140 Atomkraftwerke – weltweit sind es über 400. Doch kein einziges Land besitzt ein Endlager.

• Die Schweiz strebt ein Atomendlager in Tonböden an. 2008 wurden von der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) sechs mögliche Regionen benannt. Drei von ihnen kämen auch für die Lagerung von hoch radioaktivem Abfall in Frage. Da sie in der Nähe zu Deutschland liegen, wurde ein deutsches Expertengremium hinzugezogen.

Einen Beschluss gibt es aber noch nicht. Ein solcher müsste wohl eine Volksabstimmung überstehen.

• Finnland ist das erste Land, das den Bau eines Endlagers beschlossen hat. Als Standort wählte die Regierung die Insel Olkiluoto an der Westküste. Dort gibt es zwei Atomkraftwerke, ein drittes befindet sich im Bau. Für schwach bis mittelradioaktiven Abfall existiert vor Ort schon ein Endlager.

Ob sich das vorhandene Granitgestein auch für die Entsorgung abgebrannter Brennstäbe eignet, wird derzeit noch untersucht. Baubeginn soll 2015 sein. Widerstand seitens der Bevölkerung ist praktisch kaum vorhanden.

• Schweden will bei Östhammar im Osten des Landes ein Endlager bauen – ebenfalls in der Nähe eines Atomkraftwerks und eingebettet in Granitgestein.

Es soll nach 2022 in Betrieb genommen werden und für mindestens 100 000 Jahre atomaren Abfall aufnehmen. Allerdings gibt es dort in einem bereits bestehenden Lager für schwach bis mittelradioaktive Abfälle schon nach 20 Betriebsjahren Probleme: Ein undichter Behälter hat es kontaminiert, und es dringt Wasser ein – täglich müssen Hunderte Liter abgepumpt werden. Widerstand gegen ein Endlager für hoch radioaktive Abfälle gab es trotzdem keinen.

• Frankreich produziert fast 75 Prozent seines Stroms in Atomkraftwerken – entsprechend gross ist die Menge des Atomabfalls. Derzeit wird die Einlagerung von abgebrannten Brennstäben in einer dünn besiedelten Region in Lothringen am Rande der Champagne geprüft. Von 2025 an soll dann der hoch radioaktive Abfall 500 Meter tief in einer Lehmschicht eingelagert werden. Alternative Standorte in der Bretagne und im Zentralmassiv wurden nach Protesten aufgegeben.

• Grossbritannien lagert hoch und niedrig strahlenden Atomabfall an mehreren Stellen vorübergehend überirdisch – vor allem in der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield. In Wales wurde ein altes Atomkraftwerk in ein Zwischenlager für mehr als 300 Abfallbehälter umgebaut. Sie sollen dort bis 2096 bleiben. Als Endlagerstandort haben sich nur zwei von angefragten 13 Gemeinden zur Verfügung gestellt. Die Umsetzung ist frühestens bis 2050 geplant.

• Die USA betreiben mit über 100 Atomkraftwerken das weltweit grösste Atomenergieprogramm. Seit 1978 wurde dort die Endlagerung im abgelegenen Yucca-Gebirge im Wüstenstaat Nevada geprüft. 2011 sollte eigentlich mit der Einlagerung begonnen werden. Doch das Bundesgericht rügte die Sicherheitsgarantie von 10 000 Jahren als zu kurz und forderte einen Nachweis für eine Million Jahre. Daraufhin stoppte US-Präsident Barack Obama das Projekt. Jetzt soll ein Ausschuss Alternativen prüfen. Der atomare Abfall wird an Dutzenden Standorten im ganzen Land zwischengelagert.

• Russland betreibt mehrere Zwischenlager für Atomabfall aus den 50er- und 60er-Jahren. Seit Mitte der 90er-Jahre gibt es zwar ein Programm zur Modernisierung dieser Lager, doch die dafür vorgesehenen Sicherheits- und Umweltstandards erfüllen internationale Anforderungen nicht. Dennoch beschloss das russische Parlament 2001, auch Atomabfall aus dem Ausland anzunehmen. Moskau prüft Standorte für den Bau eines modernen Endlagers.

• China lagert Atomabfall in regionalen Zwischenlagern. Für die Endlagerung von hoch radioaktivem Abfall strebt das Land eine unterirdische Lösung an. Ein Standort in der Wüste Gobi in Granitgestein scheint derzeit am wahrscheinlichsten. (wbr/ard)

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