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Ein Gesumm soll Indiens Elefanten vor dem Zug schützen

Die Eisenbahn ist eine tödliche Gefahr für die 27 000 Elefanten des Subkontinents. Immer wieder sterben Dickhäuter bei Zugkollisionen. Einige Gliedstaaten testen nun Methoden, um sie von den Gleisen zu vertreiben.
Ulrike Putz, Singapur
In Panbari, östlich von Gauhati, schmückt eine Inderin einen von einem Zug getöteten Elefanten mit Blumen. (Bild: Anupam Nath/AP)

In Panbari, östlich von Gauhati, schmückt eine Inderin einen von einem Zug getöteten Elefanten mit Blumen. (Bild: Anupam Nath/AP)

Aus Elefantenperspektive gleichen die Bahndämme Indiens einem reich gedeckten Tisch: Die sich auf die Gleise entleerenden Zugtoiletten liefern reichlich Dünger und Wasser, sodass das Gras hier auch dann noch hoch und grün steht, wenn es anderswo längst vertrocknet ist. Dann sind da noch die Leckereien, die Passagiere aus dem Fenster werfen: Essensreste gelten unter Elefanten als besondere Delikatesse, und so kommt es, dass sich Elefantenherden in Indien gern entlang der Bahnstrecken aufhalten.

Für die Zugreisenden ist das ein willkommener Hingucker, für die Tiere jedoch immer öfter tödlich: Allein seit Beginn des Jahres sind mindestens ein Dutzend der Dickhäuter gestorben, als sie von Zügen gerammt wurden. Zuletzt starben Anfang Juni zwei Elefantenkälber, als sie im südlichen Gliedstaat Karnataka nachts in einem Waldstück von einem Güterzug erfasst wurden.

Prestigeprojekt bedroht die Elefanten

Exakt 27 312 Exemplare der Gattung Asiatischer Elefant wurden bei der letzten Zählung in Indien 2017 erfasst, das ist mehr als die Hälfte der weltweiten Population. Der Bestand war bis anhin relativ stabil, doch nun bedroht ausgerechnet ein indisches Prestigeprojekt die Tiere. Indiens Bahn ist in einem desolaten Zustand, dennoch ist sie für die 1,3 Milliarden Inder das wichtigste Verkehrsmittel, sei es im Nah- oder Fernverkehr. Die Bahn transportiert 23 Millionen Passagiere täglich, 8000 Passagier- und 4000 Güterzüge rollen jeden Tag über 115 000 Kilometer Schienen. Doch über die Hälfte des heute noch genutzten Schienennetzes wurde – mit der Hilfe von Lastelefanten – während der britischen Kolonialzeit verlegt, also vor 1947. An vielen Stellen zwingen die uralten Gleise die Züge zum Schneckentempo.

Das soll sich ändern: «Bahnhöfe müssen besser ausgestattet sein als Flughäfen», versprach Ministerpräsident Narendra Modi Zigmillionen Zugfahrern. Eine effiziente und pünktliche Bahn soll zudem Indiens Wirtschaftswachstum ankurbeln. Deshalb werden die Schienen erneuert, die Züge schneller – und damit noch gefährlicher für die Elefanten.

Die Zusammenstösse zwischen Elefanten und Lokomotiven häufen sich vor allem in einigen südlichen und nordöstlichen Gliedstaaten Indiens, in deren Urwäldern und Hügeln die Dickhäuter zu Hause sind. Deren Regionalregierungen versuchen nun, die Zahl der Kollisionen – bei der regelmässig auch Lokomotiven und Waggons beschädigt werden und die für grosse Verspätungen sorgen – zu verringern. Dabei zeigen sich die staatlichen Tierschützer kreativ: In Karnataka wurden an von Elefanten frequentierten Stellen alte Schienen dazu verwendet, die neu gelegten Gleise einzuzäunen. Tamil Nadu hat in Elefantenschulterhöhe Bewegungsmelder installiert – wenn sie ausgelöst werden, werden die Eisenbahnmitarbeiter per Textnachricht davon informiert, dass Elefanten auf der Strecke sind.

Urängste der Elefanten nutzen

In Uttarakhand lässt die Verwaltung Drohnen fliegen, um die Wanderbewegung von Herden zu kontrollieren. Und gleich mehrere Gliedstaaten in Indiens Osten setzen darauf, die Urängste der Elefanten für sich zu nutzen: An besonders unfallgefährdeten Gleisabschnitten spielen sie laut Tonbandaufnahmen vom Gesumm von Bienenschwärmen ab. Elefanten haben vor Bienen Angst und meiden diese Stellen.

Tierschützer sagen, dass auf Dauer nur der Bau von Unter- und Überführungen die Dickhäuter von den Gleisen halten wird. Doch kostete dies viel Geld. In der Zwischenzeit gäbe es auch eine kostengünstige Massnahme: Wenn man die Passagiere dazu brächte, nicht mehr so viel Abfall aus dem Fenster zu werfen, sei schon viel gewonnen.

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