Gesucht: Moderate Rebellen

Die USA wollen 5000 syrische Kämpfer ausbilden, die bereit sind, gegen Diktator Assad und die Jihadisten zu kämpfen. Von bisher nur 200 hat noch keiner das Training abgeschlossen.

Walter Brehm
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Bereit, gegen Assad und die Jihadisten zu kämpfen? Aufständischer am syrischen Ufer des Euphrat. (Bild: ap)

Bereit, gegen Assad und die Jihadisten zu kämpfen? Aufständischer am syrischen Ufer des Euphrat. (Bild: ap)

Es ist schon fast dem öffentlichen Vergessen anheimgefallen. In Syrien steht neben den jihadistischen Hauptfeinden «Islamischer Staat» und Al Qaida offiziell noch immer auch das Regime des Bashir al-Assad unter internationaler Ächtung.

Fragwürdige Koalitionen

Offen wird dessen Sturz indessen fast nur noch von der Türkei, Saudi-Arabien und Qatar gefordert. Begleitet – zumindest inoffiziell – von logistischer und finanzieller Unterstützung fragwürdiger Rebellenorganisationen wie der der Qaida nahen Al-Nusra-Front. Für die schiitisch dominierten Staaten hat der Sturz Assads absolute Priorität, koste es, was es wolle. Während Ankara vor allem das weitere Erstarken kurdischer Kämpfer fürchtet, die mit der türkischen Kurdenguerilla PKK verbündet sind, geht es den arabischen Monarchien darum, den mit Iran und der schiitischen Hisbollah aus Libanon verbündeten Diktator loszuwerden und damit den Einfluss Teherans in der Region zu schwächen.

Zögerliche USA

Die USA – verbündet mit ihrem Nato-Partner Türkei und Saudi-Arabien – wiederum haben ein ganz anderes Interesse. Washington hofft noch immer auf eine Chance, Assad durch eine gemässigte oder gar demokratische Regierung in Damaskus ersetzen zu können. Dass diese Chance verschwindend klein ist, daran tragen die USA, Europa und die Nato allerdings eine Mitschuld. Solange im syrischen Bürgerkrieg gemässigt islamische und säkulare Rebellen militärisch noch eine Rolle spielten, blieb deren Unterstützung mit Waffen, Logistik und Geld weitgehend aus.

Der Plan Washingtons

Dies änderte sich zumindest für Washington erst mit der zunehmenden Dominanz von Jihad-Terroristen in weiten Teilen Syriens. Anfang Jahr verkündeten die USA ihren Plan, innerhalb eines Jahres 5000 gemässigte syrische Aufständische auszubilden, die bereit seien, sowohl gegen das Assad-Regime als auch gegen die IS-Jihadisten und Al Qaida zu kämpfen. Anfang Mai hiess es dann, diese Ausbildung habe nun – vor allem in Jordanien – begonnen.

Die syrische Realität

Das US-Programm kommt nicht in die Gänge. Laut Pentagon sollen sich zwar 6000 syrische Freiwillige gemeldet haben. Von denen seien bis anhin 2000 geprüft worden, und etwa 1500 hätten ein erstes Auswahlverfahren überstanden. Das Training allerdings hätten erst 200 Männer begonnen. Erfolgreich abgeschlossen habe es aber bis dato kein einziger. Am Geld oder am Mangel an Material kann es nicht liegen. Die USA lassen sich das Programm immerhin 500 Millionen Dollar kosten.

Keine Strategie

Das Problem sind vielmehr die amerikanischen Auswahlkriterien. «Es erweist sich als schwierig, Leute zu finden, die beide Kriterien – Entschlossenheit gegen Assad und die Jihadisten – wirklich erfüllen.» So erklärt US-Verteidigungsminister Ashton Carter den harzigen Start des Ausbildungsprogramms.

Kritikern versucht US-Generalstabschef Martin Dempsey eher hilflos Paroli zu bieten: «Es ist zu früh, um aufzugeben. Mit irgendjemandem müssen wir ja zusammenarbeiten.» Die Erklärungsnot seiner Sicherheitschefs erinnert an das kürzliche Eingeständnis Präsident Barack Obamas: «Wir haben keine stringente Strategie gegen die Jihadisten.»

15 000 statt 5000 Kämpfer

Bisher hat das Pentagon noch nicht einmal eine Entscheidung darüber getroffen, wie die ausgebildeten «moderaten» Rebellen nach ihrer Rückkehr nach Syrien unterstützt werden sollen. «Wir haben noch nicht entschieden, weil wir noch nicht am Punkt sind, diese Männer einsetzen zu können.» Im Gespräch seien Geheimdienstinformationen, Logistik und US-Luftangriffe, sagt Dempsey und stellt das ganze Programm dann selber in Frage: Um in Syrien Gebiete erobern zu können, brauche es 12 000 bis 15 000 zuverlässige Kämpfer.

Bleibt die offene Frage, woher 15 000 kommen sollen, wenn keine 5000 zu finden sind.